Monsanto

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Maiskolben statt Spritze

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von Peter Kuchenbuch
Gentechnik hat der Pharmabranche Milliardengewinne beschert. Börsianer registrieren nun eine Trendwende. Agrokonzerne wie Monsanto stehen hoch im Kurs – ihre Chancen überwiegen die Risiken deutlich.

Amerika ist im staatlich verordneten Alkoholrausch. Täglich schießen neue Destillerien im Mittleren Westen der USA aus dem Boden, um aus Maiskörnern Ethanol zu brennen, das Benzin beigemischt wird. Ein Boom, der dem Saatgut- und Pflanzenschutzkonzern Monsanto nun eine Rekordbewertung an der Börse beschert hat. Die US-Regierung hat die Beimischung 2006 gesetzlich verordnet, zum Schutz heimischer Ölreserven und vermeintlich auch zum Wohle des Klimas. Der Maisanbau wächst daher landesweit auf 23 Millionen Hektar, ein Plus von 19 Prozent gegenüber 2006 – und so viel wie seit 1944 nicht mehr.

Drei von vier dieser Maispflanzen sind gentechnisch verändert, und die meisten stammen von Monsanto. Sie sind ertragreich und mit Genen ausgestattet, die stechende Insekten, saugende Würmer und hochpotente Pestizide abwehren. Monsanto ist Vorkämpfer der Anti-Matsch-Tomate, des hormonellen Kuhdopings für mehr Milchleistung und einer Schweinezucht vom Zeichenbrett. Verbraucher nennen das Frankenstein-Food, Investoren beurteilen das Geschäft auf ihre Art.

Monsanto dürfte eigenen Angaben zufolge den Gewinn pro Aktie im laufenden Geschäftsjahr um rund 35 Prozent steigern, nach plus 26 Prozent und plus 30 Prozent in den beiden Jahren davor. Diese Entwicklung hat dazu beigetragen, dass sich der Wert der Monsanto-Aktie in den zurückliegenden fünf Jahren vervierfacht hat. Der Aktienwert des Schweizer Konkurrenten Syngenta hat sich im gleichen Zeitraum immerhin verdreifacht.

Lukrativer Markt

Da können nur wenige Hersteller von Biotechmedizin mithalten: Verdreifacht hat sich zwar auch der Aktienwert der in der Krebstherapie führenden Roche-Tochter Genentech aus Kalifornien. Branchenführer Amgen hingegen hat in diesem Zeitraum keine Wertsteigerung für seine Aktionäre erzielt.

„Wir glauben, der lukrative amerikanische Maismarkt wird der größte Wachstumsträger für Monsanto bis 2010 sein“, schreiben die Analysten von JP Morgan. „Monsanto hat zuletzt sehr erfolgreich seinen Marktanteil in den USA ausgebaut.“ Mittlerweile sei der Anteil der Monsanto-Gentechnik in US-Mais auf 66 Prozent aller angebauten Sorten gestiegen. Dazu beigetragen haben die Sorten der Firmentöchter Dekalb und Asgrow, die regionalen Züchter unter dem Dach von Monsantos American Seeds Inc. (ASI) und Lizenzvereinbarungen mit allen großen Saatgutherstellern – darunter Pioneer/DuPont und Syngenta.

Gerade erst hat der Konzern die Preise für Saatgut um bis zu 25 Prozent erhöht – die Nachfrage macht es möglich. Saatgut plus Spritzmittel gehören im Doppelpack zusammen. Daher zieht 2007 auch der Umsatz des Spritzmittels Roundup, des meistverkauften Pestizids der Welt, auf geschätzte 2 Mrd. $ an, sagen Analysten. Der Konzernumsatz werde bei 3,4 Mrd. $ liegen.

Begehrter Kooperationspartner

Monsanto ist Oligopolist und Technologieführer und somit ein begehrter Kooperationspartner der Branche, auch für deutsche Wettbewerber. So kooperiert Bayer CropScience bei der Züchtung von herbizidresistenten Ackerkulturen, und BASF forscht mit den Amerikanern nach Genen für salz-, hitze-, trockenheitstolerante Pflanzen.

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Der Konzern aus den Vereinigten Staaten verfügt nach milliardenschweren Zukäufen über 17.000 Mitarbeiter, umfangreiche Genbanken für Ackerfrüchte und Gemüse und hat biologische Marker entwickelt, die langwierige Züchtungsverfahren abkürzen. 2006 kaufte das Unternehmen Delta and Pine Land, den größten Züchter von Baumwollsamen in den USA, für 1,5 Mrd. $. Damit erklomm Monsanto eine führende Stellung im 40 Mrd. $ schweren Weltmarkt für Baumwollsamen.

Die Gesellschaft aus St. Louis ist 2005 zudem durch den Kauf der Firma Seminis für rund 1,4 Mrd. $ Weltmarktführer bei Gemüsesaatgut geworden. Nummer zwei in diesem Geschäft ist Syngenta. „Ungefähr zehn Firmen bestreiten 90 Prozent des Weltmarkts für Gemüsesaatgut“, sagte Seminis-Chef Kerry Preete kürzlich. „Und die ersten fünf davon liefern etwa 70 Prozent.“ Der Umsatz im Gemüsesaatgutmarkt wachse zweistellig und betrage 2,6 Mrd. $.

Boykott gegen Gentech-Mais

Wiederholt hat gentechnisch verändertes Saat- und Erntegut große Schäden in der Liefer- und Verarbeitungskette von Lebensmitteln verursacht. Imageschädigende Produktrückrufe, horrende Analysekosten, Lieferengpässe und Haftungsklagen waren die Folge. Mit einem Transport- und Lagerhaltungsboykott reagieren große US-Konzerne auf den derzeitigen Anbau von Syngentas Gentech-Mais Agrisure. Seit März hat er zwar eine Zulassung in den USA, nicht aber in Exportmärkten wie Japan und Europa. Selbst kleine Beimengungen dieses Maises würden ganze Schiffsladungen für den Export unbrauchbar machen. Syngenta spricht von Einführungsmengen, ohne sie zu beziffern. Und auch die US-Aufsichtsbehörde APHIS kann auf Anfrage nicht sagen, wie groß die Agrisure-Anbaufläche ist, und lehnt jegliche Verantwortung für die Kontrolle des Produkts ab. APHIS hat allerdings bisher auch nicht geklärt, wie Bayers nicht zugelassener Gentech-Reis LL601 im vergangenen Jahr in den europäischen Handel kam.

gefunden bei: FTD

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Written by genfood

13.Juli.2007 um 13:28

Veröffentlicht in Firmenpolitik, Forschung

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