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Räuber und Gendarm im Mais

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Gentechnikgegner zerstören trotz großem Polizeiaufgebot etliche Pflanzen

Genmais-Gegner ziehen zu dem umstrittenen Feld. Dort reißen einzelne Demonstranten zahlreiche Pflanzen aus. Foto: dpa

Genmais-Gegner ziehen zu dem umstrittenen Feld. Dort reißen einzelne Demonstranten zahlreiche Pflanzen aus. Foto: dpa

ROBERT RUDOLF

ALTREETZ Am Feldrand, nicht weit hinter Altreetz (Märkisch-Oderland), gesteht die Polizei kurz vor zwei Uhr ihre Niederlage ein: Sie muss den Imker Michael Grolm, den Mitbegründer der Initiative „Gendreck weg“, verhaften. Sie hat es nicht verhindern können, dass er mit 30 bis 40 Unterstützern durch dass Maisfeld von Bauer Bernd Hoffmann trampelte, ein paar Kolben pflückte und sich am Ende bereitwillig die Handschellen – es sind in diesem Fall weiße Plastikbänder – anlegen ließ.

„Ja, das sind genau die Bilder, die sie haben wollten“, sagt Polizeisprecher Thomas Wilde. Er knirscht es eher. „Aber was hätten wir tun sollen? Danebenstehen? Zusehen, wie sie eine Straftat begehen?“ 52 vorläufig Festgenommene zählt die Polizei am Abend.

Wilde kann dennoch seinen Ärger über die Panne vom Mittag nur mühsam verbergen. Mit 570 Mann aus Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, einem Hubschrauber, acht Pferden und etlichen Hunden ist die Polizei schon am Morgen an den drei Äckern von Bauer Hoffmann aufmarschiert. Mit knapp 300 Gentechnikgegnern reist der Imker Grolm an. Offiziell angemeldet hat er eine Demonstration. Erst durch den Ort. Dann an den Feldern entlang, auf denen genveränderter Mais des US-Konzerns Monsanto angebaut sein soll.

Am Ziel der Demo haben allerdings beide Seiten keine Zweifel: Als „freiwillige Feldbefreiung“ kündigen die Veranstalter den Umzug an. Und auf ihrem Weg durch den Ort singen die Demonstranten zur Melodie von „He, ho, spann den Wagen an“, Liedzeilen wie diese: „Wehrt euch, leistet Widerstand, gegen diesen Gendreck hier im Land, kommt mit auf die Äcker, kommt mit auf die Äcker.“

Kurz vor dem Ortsausgang schwillt der Gesang mächtig an. Mais ist in Sicht. Mit rot-weißem Flatterbändchen sichtbar abgesperrt und streng bewacht. Allerdings nur von der Straßenseite aus. Das Stoppelfeld daneben ist frei. Geradezu eine Einladung für die Gentechnikgegner, die sie dann auch dankbar annehmen. Sie sind ohnehin durch den Dauerregen begünstigt. Der märkische Sand hat sich seit der vergangenen Nacht rund um Altreetz in eine riesige Schlammpfütze verwandelt, in der die Polizei mit ihrer schweren Ausrüstung schnell stecken bleibt.

Bald sieht man von Grolm und den Maiszerstörern nur noch gelbe Luftballons, die wie Bojen über das Feld hüpfen. „Gendreck weg“ steht darauf. Das könnte man in dieser Situation auch als Kurznachricht an die Polizei verstehen: „Kursänderung. Geh’n Dreckweg.“ Quer durch den Matsch.

Für Grolm freilich geht es an diesem Tag um mehr als nur ein symbolisches Räuber-und-Gendarm-Spiel im Mais. Per einstweiliger Verfügung hatte ihm das Landgericht Frankfurt (Oder) noch am Freitag das Betreten des Feldes verboten. Sollte er es doch tun, droht eine Geldstrafe bis zu 200 000 Euro. Den Imker beeindruckt das wenig: „Wir werden die Vertreter des Konzerns Monsanto vor Gericht wiedersehen. Wenn ich auf der Anklagebank sitze, ist das falschherum, gemeingefährlich im Wortsinn ist der Gentechnikkonzern“, lässt er nach seiner Verhaftung verbreiten.

Den Tag bilanzieren Gengegner und Polizei unterschiedlich. Während die Demonstranten von eineinhalb Hektar zerstörter Anbaufläche sprechen ermittelt die Staatsgewalt nur Schäden auf 2000 Quadratmetern. Bis Monat will die Polizei nun vor Ort bleiben, um weitere Beschädigungen zu verhindern. Und die Brandenburger CDU-Bundestagsabgeordnete Katherina Reiche teilt mit, für sie seien „Feldzerstörungen und Erntevernichtung Ökoterror“.

 

 

gefunden bei: Märkische Allgemeine

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Written by genfood

23.Juli.2007 um 7:21

Veröffentlicht in Andere über...

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