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Schwachstellen im Gesetz / Protestcamp und versuchte Feldbefreiung in Ostbrandenburg

Von Susanne Götze

Am Sonntag ging das mittlerweile dritte gentechnikfreie Wochenende zu Ende. Wie jedes Jahr ließen es sich die Aktivisten der Initiative Gendreck-weg nicht nehmen, symbolisch Genmaisfelder »zu befreien« – trotz eines massiven Polizeiaufgebotes.

»Wer Genmais sät, wird Widerstand ernten« – dieser Wahlspruch thronte über dem Zeltlager der Gentechnikgegner im Brandenburger Dorf Wustrow bei Bad Freienwalde. Friedlich aber entschlossen protestierten die aus ganz Deutschland angereisten Aktivisten vier Tage lang gegen die umstrittene Risikotechnologie. Höhepunkt war der gestrige Aktionstag mit einer Demonstration im ostbrandenburgischen Altreetz. Er begann am Morgen mit einem evangelischen Gottesdienst in der Dorfkirche. Gegen Mittag lösten sich aus dem Zug einige hundert »Feldbefreier« und drangen durch knöcheltiefen Schlamm auf die 70 Hektar großen Äcker vor, um trotz eines Großaufgebots von 570 Polizisten Pflanzen herauszureißen. Eineinhalb Hektar Genmais seien dabei zerstört worden, teilten die Initiatoren mit. Dabei seien »Beweismittel« entnommen worden, um Strafanzeige gegen Monsanto zu stellen. Bei den Aktionen gab es auch zahlreiche Festnahmen.

Im Vorfeld des gentechnikfreien Camps hatte der Saatgutkonzern seinerseits Unterlassungserklärungen an einige Aktivisten der Organisation »Gendreck-weg« geschickt, in denen diese sich verpflichten sollten, bestimmte Felder nicht zu betreten. Wie sich herausstellte, wussten die betreffenden Bauern, in deren Name Monsanto die Briefe schrieb, offenbar gar nichts von dem Vorgehen. »Wir haben letzte Woche mit den Bauern gesprochen, um ihnen zu sagen, dass wir sie nicht persönlich schädigen wollen, sondern gegen die Gentechnik an sich ein Zeichen setzen wollen«, erklärte »Gen- dreck-weg«-Initiatorin Jutta Sundermann. Dabei habe sich herausgestellt, dass sie die rechtlichen Schritte gar nicht veranlasst und von ihnen auch nichts gewusst hatten.

Den Gentechnikkritikern lag viel daran, gerade die »Kollegen« aus der Landwirtschaft mit ihrer Position vertraut zu machen. Am Samstagabend luden sie sämtliche Anwohner zu einem gentechnikfreien Abendessen ein. Auch die Tage zuvor gingen Aktivisten mit Musik und Informationen von Haus zu Haus, um mit ihren »Nachbarn auf Zeit« ins Gespräch zu kommen. »Wir wollen keinem schaden, schon gar nicht Bauern, von denen viele auch Teil unserer Bewegung sind«, betonte Sundermann. Dass am Freitag Unbekannte ein Plakat der Gentechnikgegner zerstörten, sei eine Ausnahme gewesen – im Allgemeinen sei man auch hier vor Ort auf viel Verständnis für die Proteste gestoßen.

Zu dem Camp selbst kamen jedoch weniger Gentechnikgegner als erwartet. Am Samstagabend zählten die Organisatoren knapp 500 Teilnehmer, die Polizei war im Vorfeld von über 1000 ausgegangen. Drei Tage lang hatten sich die Aktivisten auf den »Aktionstag« am Sonntag vorbereitet – mit Feldbefreiungstrainings, Workshops und interner Organisation. Nicht von ungefähr erinnerten die Vorbereitungen an die G8-Proteste in Rostock, nur dass hier nicht ein Zaun, sondern ein Feld gestürmt werden sollte. Das Ambiente des idyllisch gelegenen Basislagers machte hingegen einen ganz und gar nicht radikalen Eindruck: Die blumengeschmückten Tische, bunten lebensgroßen Puppen und frech-ironischen Spruchbänder vermittelten eher einen fast ökologisch-romantischen Eindruck. Doch die Anti-Gentechnik-Bewegung hat ein klares Ziel: ein weltweites Anbauverbot von gentechnisch veränderten Pflanzen. Wie weit jeder einzelne dafür zu gehen bereit ist, ist aber sehr unterschiedlich. Während einige »keine Lust« auf ein anhängiges Verfahren haben, stellen sich andere darauf ein, »für die Sache« festgenommen zu werden.

Fakt ist, dass die Anti-Gentechnik-Bewegung in der letzten Zeit Erfolge verbuchen konnte – nicht nur in Deutschland mit dem temporären Anbauverbot der Monsanto-Maissorte Mon810. So berichtete Antonio Andreoli aus Brasilien von dem Zulassungsstopp der Maissorte LibertyLink von Bayer in seinem Land. Dort kämpften vor allem Landlose, Öko- und Kleinbauern gegen den steigenden Einfluss der Saatgutkonzerne. »Die Grüne Gentechnik zerstört weltweit kleinbäuerliche Strukturen, fördert Großgrundbesitzer und Monopolbildung«, schimpfte der Agrarwissenschaftler. In seinem Land baue man vor allem genetisch verändertes Soja an. Ein Großteil der meist nach Europa exportierten Gen-Soja-Produkte sei stark herbizidbelastet. »Genveränderte Pflanzen sind Giftpflanzen«, zeigte sich Andreoli überzeugt. Deshalb sei es nur legitim, dass weltweit Methoden entwickelt würden, um sich gegen die Verbreitung der Grünen Gentechnik zu wehren.

gefunden bei: Neues Deutschland

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Written by genfood

23.Juli.2007 um 9:42

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