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Monsanto will weltweites Schweine-Monopol

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Gefährliche Machtkonzentration in der Lebensmittelproduktion. Autor: Dr. Christoph Then

Der US-amerikanische Saatgutkonzern Monsanto produzierte ursprünglich chemische Spritzmittel für die Landwirtschaft. Doch seit Jahren weitet er seine marktbeherrschende Stellung auf die ganze Lebensmittelproduktion aus. Die Methoden: Firmenaufkäufe, Patente auf normales und genmanipuliertes Saatgut, Pflanzen, Tiere und Lebensmittel, Gerichtsprozesse gegen Landwirte. Das jüngste Beispiel: Zwei weltweit angemeldete Patente auf Schweinezucht. Die Schweineherden will sich Monsanto gleich mit patentieren lassen.

Konventionelle Schweinemaestung, Schwein frisst Pellets aus Trog. Schweinemast.
Aufgenommen am: 05.08.2003
Ort: Hamburg, DEU
Copyright: © Axel Kirchhof / Greenpeace

Beide Patente haben letztlich zum Ziel, Schweine zu erzeugen, die schneller wachsen, um so langfristig die Kosten in der Fleischproduktion weiter zu senken.

Die Patente WO 2005/017204 und WO 2005/015989 sind seit Februar 2005 bei der Weltpatentbehörde in Genf (World Intellectual Property Organisation, WIPO) im Register verzeichnet. In der Patent-Anmeldung listet Monsanto mehr als 160 Länder auf, in denen das Patent gelten soll, darunter 27 Staaten in Europa, Asien (Indien, Philippinen, China), Amerika (USA, Brasilien, Mexiko), Russland und Australien. Die WIPO kann allerdings derartige Anmeldungen nur entgegen nehmen, aber selbst keine Patent erteilen. Die Anträge werden deswegen an die jeweiligen Patentämter wie zum Beispiel in den USA oder Europa weiter gereicht.
Schweine sind keine Erfindung

Patentieren kann man eigentlich nur neue Erfindungen. Obwohl die beiden Patentanmeldungen nicht auf echten Erfindungen basieren, macht Monsanto extrem umfassende Ansprüche geltend:

1. Im Patent WO 2005/015989 beschreibt Monsanto bereits gebräuchliche Methoden in der Schweinezucht wie Kreuzung, Selektion und künstliche Besamung. Die angebliche Erfindung sind bestimmte Kombinationen dieser Elemente, um die Zucht von Tieren zu beschleunigen, die schneller wachsen oder andere ökonomische Vorteile bieten sollen. Beansprucht werden die beschriebenen Verfahren, aber auch die resultierenden Tiere bis hin zu ganzen Herden. Folgende Beispiele sind zitiert aus der Patentanmeldung (Seite 53/54):

  • Anspruch 43: A target herd produced using a method according to … (Eine Ziel-Herde, bei deren Produktion folgende Methoden eingesetzt wurden…)
  • Anspruch 53: A swine production (SP) herd produced using … (Eine Herde zur Schweineproduktion, die mit folgenden Mitteln produziert wurde…)

2. Das Patent WO 2005/017204 bezieht sich auf ein Verfahren zur Gen-Diagnose an Schweinen. Damit will Monsanto Schweine identifizieren, die aufgrund ihres natürlichen Genoms besonders schnell wachsen, zum Beispiel, indem sie ihr Futter besonders schnell oder effektiv in Fleisch umsetzen. Solche Gen-Varianten wurden bereits bei Mensch und Tier beschrieben.

Auch hier beansprucht Monsanto nicht nur die Diagnose-Methoden, sondern auch die Tiere selbst:

  • Anspruch 16: A pig offspring produced by a method… (ein Ferkel, produziert nach der Methode…)
  • Anspruch 17: A pig herd having an increased frequency of a specific… gene… (Eine Herde von Schweinen, die eine größere Häufigkeit für ein bestimmtes Gen aufweist…)
  • Anspruch 23: A pig population produced by the method… (Eine Schweinepopulation, die nach folgender Methode produziert wird…)

Nach dem Wortlaut der Ansprüche will Monsanto Schweine, Ferkel und Mastschweine gleichermaßen wie das verwendete Gen und die Verwendung der genetischen Information monopolisieren.

Monsantos Ziel: Ein Monopol auf die Produktion von Lebensmitteln

Die beiden Schweine-Patente müssen vor dem Hintergrund der Monsanto-Strategie gesehen werden, die Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion auf allen Ebenen zu kontrollieren und monopolisieren. Ursprünglich machte Monsanto seinen Umsatz mit Pestiziden und anderen Produkten im Bereich der Agrochemie.

In den letzten zehn Jahren hat der Konzern weltweit etwa zehn Milliarden US-Dollar investiert, um Saatguterzeuger und andere Unternehmen im Bereich landwirtschaftlicher Produktion aufzukaufen. 2005 übernahm Monsanto unter anderem den weltgrößten Produzent für Gemüse-Saatgut, Seminis, für eine Milliarde US-Dollar.

Zudem hält Monsanto extrem weit reichende Patente auf Saatgut, die aber längst nicht immer in Zusammenhang mit dem Anbau von Gen-Saaten stehen. Diese Patente umfassen auch die Ernte, zum Teil bis hin zur Verwendung als Tierfutter oder in Lebensmitteln.

Ein Beispiel: Monsanto hält in Europa ein Patent auf genmanipulierte Soja-Pflanzen, das auch deren Anbau und alle Teile der Pflanzen umfasst. Auf dieser Basis hat Monsanto jetzt in Europa Gerichtsverfahren gegen Soja-Produzenten in Argentinien eingeleitet, um zusätzliche Gebühren zu erheben, wenn deren Ernte nach Europa importiert wird. Monsanto hat aber auch Patente auf normales – nicht gentechnisch verändertes – Saatgut angemeldet, wie zum Beispiel Weizen aus Indien und Sojabohnen aus China.

Mit der Anmeldung der Patente auf Schweine versucht Monsanto, sich ein neues lukratives Geschäftsfeld zu eröffnen. So wird in der Patentschrift WO 2005/017204 in Bezug auf die Schweineproduktion erklärt: Der ökonomische Einfluss dieser Industrie auf die ländlichen Regionen der USA ist enorm. Normalerweise setzen die Landwirte pro Jahr mehr als 11 Milliarden US-Dollar um, während der Wert der Ware, die im Einzelhandel an die Verbraucher verkauft wird, 38 Milliarden US-Dollar erreicht.
Machtkonzentration in der Lebensmittelwirtschaft

Insgesamt ist die Entwicklung dramatisch. Einige wenige multinationale Unternehmen kontrollieren bereits jetzt den internationalen Markt für Saatgut: Monsanto, Bayer, Dupont, Syngenta. Durch die (fast) weltweite Vergabe von Patenten, die alle Ebenen der Lebensmittelproduktion umfassen, geraten Landwirte und Lebensmittelhersteller in einem nie dagewesenen Ausmaß in direkte Abhängigkeit von diesen Konzernen. Die Kontrolle der Nahrungsmittel gerät in die Hände einiger weniger Konzerne, die zugleich auch weltweit versuchen, gentechnisch veränderte Saaten einzuführen.
Greenpeace fordert:

  • ein weltweites Verbot von Patenten auf Saatgut und landwirtschaftliche Nutztiere sowie auf die damit in Zusammenhang stehenden genetischen Ressourcen.

Lesen Sie weiter über die Konzernstrategien von Monsanto und andere Patentfälle. Und machen mit bei unserer internationalen Protestaktion gegen Monsantos Patente auf Tiere und Pflanzen.

V.i.S.d.P.: Dr. Christoph Then

gefunden bei: Greenpeace.de

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Written by genfood

25.Juli.2007 um 14:17

Veröffentlicht in Firmenpolitik, Forschung, Patente, Zulassungen

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