Monsanto

dieses Blog ist eine Waffe

Dank Hightech blüht die Pflanzenzucht wieder auf

leave a comment »

VON SABINE OLFF

Ende August fällt der Entscheid. Das Bundesamt für Umwelt wird zu den drei Freisetzungsgesuchen für Gen-Weizen Ja oder Nein sagen. Mit den Feldversuchen der Universität und ETH Zürich sollen Risiken und Nutzen von Gen-Pflanzen erforscht werden.

Während hier zu Lande die Diskussion um Gentech-Gewächse aufs Neue entbrannt ist, haben sich die grossen Saatgutunternehmen wie Monsanto, Syngenta und KWS längst ein neues Pferd jenseits der umstrittenen Grünen Gentechnik in den Stall geholt. Sie setzen auf «Smart Breeding» – auf präzise Zucht.

So haben die Züchter besonders gesunde Sojabohnen, überflutungstoleranten Reis und extrem zuckerhaltige Tomaten erschaffen. Letztere werden in den USA bereits grossflächig angebaut und zu Ketchup verarbeitet. Dank dem «Rohstoff» muss der roten Sauce weniger Zucker zugesetzt werden als früher.

Beim Smart Breeding wird die klassische Zucht mit biotechnologischen Methoden kombiniert. Der entscheidende Unterschied zur Grünen Gentechnik: Es werden keine fremden Gene ins Erbgut der Pflanze eingebaut. Vielmehr nutzt man die Gentechnik, um unter Eltern und Nachkommen schnell diejenigen mit dem vielversprechendsten Erbgut auszuwählen. Sogar Gentech-Kritiker wie Greenpeace haben die Methode bereits für gut befunden.

Für ihre innovativen Sorten nutzen die Smart Breeder die natürliche Vielfalt, die eine Art zu bieten hat. Sie kreuzen ertragreiche Kulturpflanzen mit alten Landrassen und Wildsorten und wollen – wie jeder andere Züchter – die besten Eigenschaften der beiden Eltern in der neuen Sorte vereinen. Beispiel Zuckertomate: Eine Kulturtomate wurde mit einer aus Peru stammenden Wildart gekreuzt, die kleine grüne zuckerhaltige Früchte trägt.

Allein bei der Tomate gibt es mehr als 1000 alte und wilde Sorten; beim Mais sind es sogar mehrere 10 000. Viele davon sehen kümmerlich aus; sie bieten aber wertvolle Eigenschaften: So sind einige Sorten gegen bestimmte Schädlinge resistent, andere können auf kargem Ackerland gedeihen. Welche Fähigkeiten die Pflanze besitzt, ist im Erbgut festgelegt.

In den vergangenen 50 Jahren lag die genetische Vielfalt in der Pflanzenzucht jedoch weitgehend brach. Nur ein bis fünf Prozent sei bislang genutzt worden, schätzt Saatgutforscher Albrecht Melchinger von der Universität Hohenheim. «Der Rest schlummert tiefgekühlt in Genbanken.» Darunter sei mancher Schatz, der darauf warte, gehoben zu werden. Fürs Schätzeheben hat das Saatgutunternehmen KWS jüngst eine Professur für Nutzpflanzenbiodiversität und Züchtungsinformatik in Hohenheim gesponsert.

Mit Smart Breeding kann schneller gezüchtet werden

Um das Potenzial, das in der Vielfalt der Pflanzenwelt steckt, effektiv zu nutzen, holen sich die Smart Breeder Hilfe bei der Gentechnik. Die Methode, auf die sie setzen, heisst MAS – «Marker assisted Selection». Der erste Schritt: Die Forscher müssen Abschnitte im Erbgut (Marker) oder bestenfalls Gene identifizieren, die mit den gewünschten Fähigkeiten – etwa einem hohen Zuckergehalt – zusammenhängen. Mit DNA-Schnipseln, die zu den Markern passen, können sie nach einer Kreuzung bereits im Genom der Setzlinge nach den Zuckermarkern fahnden und nur die bestbestückten Kandidaten für weitere Zuchtschritte einsetzen.

MAS spart Zeit. Eine neue Apfelsorte zu züchten, dauert mit klassischen Methoden etwa 15 Jahre. Mit MAS kann der Zeitraum laut Experten auf 10 Jahre verkürzt werden – schneller geht es auch mit der Grünen Gentechnik nicht.

Die Zuckertomate ist inzwischen nicht mehr das einzige Präzisionszucht-Produkt. Monsanto hat vor zwei Jahren die Sojasorte Vistive auf den Markt gebracht. Vistive enthält weniger Linolensäure als herkömmliche Sorten. Bei ihrer Verarbeitung bilden sich weniger gesundheitsschädliche Transfette. Vistive stammt von einer Sojasorte mit geringem Linolensäuregehalt ab, die wegen ihres Kümmerwuchses für den kommerziellen Anbau ungeeignet ist. Monsanto kreuzte sie deshalb mit ertragreichen Sorten.

Auch Syngenta kann mit Smart- Breeding-Saatgut aufwarten; etwa mit einer Maissorte, die speziell für das Klima in Nordeuropa gezüchtet worden ist. Das Unternehmen hat nahe Toulouse sogar ein Zentrum für Smart Breeding geschaffen. «Wir arbeiten mit Hochdruck an neuen Tomaten-, Paprika- und Melonensorten», sagt Michel Ragot, Leiter der Abteilung für molekulare Marker in Gemüse.

Andere Produkte, die derzeit in der Pipeline stecken: Das neuseeländische Unternehmen Hort Research präsentierte 2006 einen rotfleischigen Apfel, der reich an gesundheitsfördernden Antioxidantien ist. Philippinischen und US-amerikanischen Forschern ist es gelungen, eine Reissorte zu züchten, die lange andauernde Überschwemmungen von Feldern überstehen kann. Und an der Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil will man schorf- und feuerbrandresistente Apfelsorten entwickeln.

Kritiker halten die Grüne Gentechnik bereits für überholt

Das Potenzial von Smart Breeding wächst mit der Zahl der Gene, die die Forscher identifizieren, und mit dem Wissen über ihre Funktionen. Denn damit kann gezielt nach den gewünschten Eigenschaften gefahndet werden. «Da sind wir aber ziemlich am Anfang», sagt Cesare Gessler, Pflanzenpathologe an der ETH Zürich. Seine Forschungsobjekte sind Äpfel. Er hat bereits Gene, respektive Marker für Farbe, Zuckergehalt sowie für Schorf- und Feuerbrandresistenz identifiziert. Dazu hat er passende DNA-Schnipsel zum Suchen entwickelt, von denen einzelne bei Agroscope in Wädenswil eingesetzt werden.

Die Agrokonzerne haben unzählige dieser DNA-Schnipsel in ihren Kühltruhen, allein bei Syngenta in Toulouse gibt es tausende davon. Laut Gessler kann man mit ihnen meist nur Eigenschaften ausfindig machen, die auf ein einziges Gen zurückgehen, wie etwa verschiedene Schädlingsresistenzen. Für Fruchtqualität und Geschmack fehlt dagegen noch weitgehend das Handwerkszeug. «Da spielen meist mehrere Gene eine Rolle», sagt Gessler.

Bei der Tomate sind deutsch-israelische Forscher, die auch die Zuckertomate gezüchtet haben, dem Geheimnis des Geschmacks ein Stückchen näher gekommen. Mittels «Metabolischem Profiling», einem von ihnen entwickelten Analyseverfahren, untersuchten sie verschiedene Früchte auf gesundheits- und geschmacksrelevante Inhaltsstoffe. Im Anschluss konnten sie die Regionen im Tomatenerbgut identifizieren, die für die gut schmeckenden und gesunden Stoffe verantwortlich sind. «Nach diesem Genmuster können wir nun fahnden», sagt Pflanzenphysiologe Alisdair Fernie vom Max-Planck-Institut in Potsdam.

Mit solch prächtigen Aussichten halten Kritiker wie der US-Amerikaner Jeremy Rifkin die Grüne Gentechnik bereits für überholt. Ist sie das? «Nein», sagt Pflanzenphysiologe Bernd Müller-Röber, Sprecher der Arbeitsgruppe «Gentechnologiebericht» an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Smart Breeding funktioniere nur innerhalb einer Art; die natürliche Vielfalt setze Grenzen. Wenn Pflanzen etwa als Arzneimittelproduzent eingespannt werden sollen, müssen sie nach wie vor mit fremden Wirkstoff-Genen aufgerüstet werden.

Bei Syngenta setzt man jedenfalls auf Smart Breeding, sofern ein Züchtungsziel sowohl mit Präzisionszucht als auch mit Grüner Gentechnik erreichbar ist. «Das Zulassungsprozedere für gentechnisch verändertes Saatgut ist langwierig und teuer», sagt Syngenta-Forscher Michel Ragot. Smart-Breeding-Produkte bringe man dagegen schneller auf den Markt – bei geringeren Kosten.

gefunden bei: Sontagszeitung

Advertisements

Written by genfood

13.August.2007 um 10:21

Veröffentlicht in Forschung, Zulassungen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: