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Grüne Gentechnik – überflüssig und gefährlich

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von Karsten Jennerjahn

Es ist höchste Zeit für eine eigene landwirtschaftliche Position zur Grünen Gentechnik. Einerseits steht die große Mehrheit der Berufskollegen ihr aus gutem Grund skeptisch gegenüber. Nur eine kleine Zahl sogenannter innovativer Landwirte fordert medienwirksam Erleichterungen für den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen. Andererseits befinden wir uns mit unserer Ablehnung in einer Front mit Grünen, Verbraucher- und Umweltschützern – mit Gruppen also, die in der Vergangenheit nicht immer unsere Freunde waren. Deshalb: Wir müssen in der öffentlichen Diskussion unsere eigenen Gründe deutlicher formulieren und artikulieren. Das will ich hier versuchen.

Seit Jahren erzählen uns Vertreter aus Wissenschaft und Industrie, was für großartige Perspektiven die Grüne Gentechnik für die Landwirtschaft bieten würde: Dürretoleranz, besondere Inhaltsstoffe zur Lösung der Ernährungs- und Energieprobleme der Menschheit. Auf dem Markt sind bisher allerdings hauptsächlich herbizidresistente und insektentötende Sorten. Die produktionstechnischen Effekte dieser Sorten lassen sich unter mitteleuropäischen Bedingungen in der Regel kostengünstiger mit ganz normalen ackerbaulichen Methoden erreichen oder mit herkömmlichen Pflanzenschutzmitteln. Produktionstechnischer Fortschritt durch Grüne Gentechnik ist also zur Zeit weder erkennbar noch absehbar.

Eine Auswertung von 35 Ertrags- und Wirtschaftlichkeitsstudien aus den USA durch die Universität Kassel belegt eindrucksvoll, dass mit der Anwendung der Gentechnik bei Mais, Raps, Soja und Baumwolle in den vergangenen zehn Jahren keine positiven Auswirkungen auf Ertrag und Gewinn der Landwirtschaftsbetriebe verbunden waren.

Haftungsrecht und Patentrecht: Der Landwirt hat das Nachsehen

Den fehlenden Vorteilen in der Produktion stehen viele offen Fragen gegenüber: So weigern sich die Hersteller nach wie vor, die Produkthaftung zu übernehmen. Die Haftung bleibt beim Anwender hängen, was völlig unüblich ist und nicht gerade für die Unbedenklichkeit der Produkte spricht. Es ist eine Illusion, zu glauben, dass gentechnisch veränderte Pflanzen sich auf bestimmte Anbauflächen begrenzen ließen. Und mit deren Ausbreitung sind Auseinandersetzungen vorprogrammiert – vor allem zwischen den Landwirtschaftsbetrieben, die die Grüne Gentechnik anwenden, und denen, die konventionell weiter wirtschaften wollen. Diese Auseinandersetzungen sind Teil der Markteinführungsstrategie und durchaus im Sinne der Hersteller: Die Landwirtschaft ist mit sich selbst beschäftigt, die Konzerne bauen in Ruhe ihre Machtposition aus, zum Beispiel indem mittelständische Saatgutfirmen gekauft und in die weltweit agierenden Unternehmen eingegliedert werden.

Leider ist die Haftungsfrage nicht das einzige rechtliche Problem, das die Grüne Gentechnik für die praktische Landwirtschaft bereit hält, auch wenn sich die politische Diskussion derzeit ausschließlich darum dreht. Mindestens ebenso schwerwiegend ist die Tatsache, dass sich die Hersteller durch das Patentrecht eine dauerhafte Verfügungsgewalt über die Produkte sichern, auf jeden Fall deutlich über die einmalige Aussaat hinaus. Das spielt bei Mais noch keine große Rolle, bei Raps umso mehr. In den USA werden Landwirtschaftsbetriebe bereits dann zur Zahlung von Nutzungsgebühren gezwungen, wenn sich gentechnisch veränderte Pflanzen auf deren Flächen nachweisen lassen. Die Gerichte machen keinen Unterschied, ob die Saat bewusst nachgebaut wurde, bei der letzten Ernte ausgefallen oder vom Feldnachbarn rübergeweht ist. Nur wenige Farmer wagen es, sich mit den Konzernen anzulegen. In der Regel wird das Saatgut gleich dort gekauft, wo ohnehin die Gebühren anfallen.

Ein krasser Nachteil kommt vor allem auf diejenigen Landwirtschaftsbetriebe zu, die den Markt für gentechnikfreie Produkte beliefern. Sie bleiben auf erhöhten Aufwendungen für Beprobung sowie getrennte Erfassung und Lagerung sitzen. Die Kosten für den Verlust des gentechnikfreien Status von deutschen Produkten trägt ohnehin die gesamte deutsche Landwirtschaft. Und gentechnikfrei bleiben werden wir mit Sicherheit nicht, dafür sind die Hersteller viel zu aktiv und ihre politische Lobby ist viel zu einflussreich. Leider finden sich im Berufsstand auch immer einige, die sich von kurzfristigen Vorteilen ködern lassen. Das bedeutet allerdings noch lange keinen Automatismus, der von den Befürwortern der Grünen Gentechnik gerne herbeigeredet wird – mit Zulassung der Sorten werde die Anbaufläche rasant wachsen, in zehn Jahren werde es in Deutschland keine konventionelle Landwirtschaft mehr geben. Das ist im Augenblick Wunschdenken der Konzerne.

Schlüsselfrage für die unternehmerische Freiheit unserer Betriebe

Machen wir uns nicht schlechter als wir sind: Wir haben in Deutschland gut ausgebildete Betriebsleiter, gesunde Betriebsstrukturen (im Osten könnten es ein paar mehr Bauern sein) und trotz gelegentlicher Trockenheit haben wir im weltweiten Vergleich günstige natürliche und klimatische Bedingungen. Im Bezug auf die Leistungsfähigkeit unserer Landwirtschaftsbetriebe brauchen wir uns nicht zu verstecken, schon gar nicht vor den Amerikanern. Global verringert sich die Anbaufläche, während gleichzeitig die Weltbevölkerung wächst, auch die kaufkräftige Bevölkerung in den sogenannten Schwellenländern, die sich künftig nicht mehr mit einer Reisschale begnügen wird. Man muss schon ein großer Pessimist sein, um nicht das Licht am Ende des Tunnels auszumachen.

In den kommenden Jahren wird es darum gehen, wer profitiert: die Landwirte, die bis heute durchgehalten und ihre Betriebe entwickelt haben – teilweise unter schwierigen Bedingungen und großen Entbehrungen wie vor allem in der Milchviehhaltung – oder aber die Industrie. Je mehr Landwirtschaftsbetriebe sich durch die Gentechnik in Abhängigkeit von den Konzernen begeben, desto schlechter werden unsere Karten in diesem Spiel. Bei der Abwehr der Grünen Gentechnik handelt es sich um eine Schlüsselfrage der unternehmerischen Freiheit unserer Betriebe, die mindestens ebenso wichtig ist wie die Zurückdrängung der Bürokratie. Wenn wir Herr auf unseren Höfen bleiben, brauchen wir uns vor der Globalisierung nicht zu fürchten, auch wenn wir sie aus Überzeugung weiterhin ablehnen.

Politisch leiten sich aus der Diskussion um die Grüne Gentechnik für mich zwei Forderungen ab: Erstens müssen Lebewesen aus dem Patentrecht herausgenommen werden. In eine Pflanze, die vom Herrgott gebührenfrei mit etwa zehntausend Genen ausgestattet wurde, ein neues Gen einzubauen, ist wie beim Traktor eine Ventilkappe auszuwechseln. Es berechtigt nicht zu Verwertungsansprüchen über die einmalige Leistung hinaus. Zweitens muss die Produkthaftung komplett durch die Hersteller übernommen werden. Alles andere ist Betrug. Auf keinen Fall darf die Haftung auf die Landwirtschaftsbetriebe abgewälzt oder von der Gesellschaft übernommen werden, um eine angebliche Hochtechnologie zu fördern. Für diese politischen Forderungen steht der Bauernbund als Berufsvertretung der privaten Landwirte in den neuen Bundesländern.

Karsten Jennerjahn ist Präsident des Bauernbundes Brandenburg. Der 44jährige Diplom-Landwirt bewirtschaftet einen konventionellen 380-Hektar-Marktfruchtbetrieb in Schrepkow in der Prignitz

 

ein interessanter Artikel aus der letzten Bauernzeitung – Danke an die Familie Rottstock (biohof.rottstock@t-online.de )

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Written by genfood

21.August.2007 um 15:25

Veröffentlicht in Allgemein, Andere über..., Forschung, Patente

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