Monsanto

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Archive for September 2007

Wem nützt die neue Technologie?

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Duell der Worte: Die Auswirkungen von gentechnisch veränderten Pflanzen auf Landwirtschaft, Umwelt und Konsumenten sind umstritten.

Braucht Landwirtschaft Gentechnik? Der KURIER bat Univ.-Prof. Josef Glößl von der Uni für Bodenkultur und den Humanökologen Univ.-Doz. Peter Weish zum Streitgespräch.

KURIER: Ist der Gentech-Zug nicht schon abgefahren?
Peter Weish: Nein, der proklamierte Siegeszug ist ausgeblieben, die Gentechniker mussten schwere Rückschläge einstecken. In manchen Gebieten Indiens gab es beachtliche Selbstmordserien unter Bauern. Die gentechnisch veränderte Baumwolle, die resistent gegen Schädlinge sein sollte und 20 bis 30 Prozent höhere Erträge hätte liefern sollen, hat versagt. Sie ist nicht gut gewachsen, es gab Ernteausfälle und die Bauern mussten zusätzlich Gift spritzen. Viele Bauern hatten sich aber mit dem Kauf des Saatgutes hoch verschuldet und sahen keine Alternative mehr zum Selbstmord.
Josef Glößl: Grundsätzlich geht es um notwendige Innovationen. Ich halte es für sinnvoll, verbesserte Pflanzensorten herzustellen, die etwa auch bei wechselnden klimatischen Bedingungen sichere Erträge bringen. Weltweit werden bereits über 100 Millionen Hektar mit gentechnisch veränderten Kulturpflanzen angebaut. In der ersten Generation dieser Pflanzen gab es jedoch auch Sorten, die nicht für jede Region geeignet waren. Neue Forschungsergebnisse lassen hingegen erwarten, dass die nächste Generation dieser Pflanzen deutlichere Vorteile für den Landwirt, die Umwelt oder die Konsumenten bringen wird – etwa Pflanzen, die weniger anfällig gegen Schädlinge oder Pflanzenkrankheiten sind.

Könnte Gentechnik auch ein Werkzeug im Kampf gegen den Klimawandel sein?
Glößl: Wir müssen vom Erdöl unabhängiger werden – und Gentechnik bietet Chancen im Bereich der Energiepflanzen und weiterer Grundstoffe für die Industrie. Eines der Ziele ist auch die Verbesserung der Widerstandskraft von Pflanzen gegen Stress. Vieles kann man sicher auch mit klassischer Züchtung erreichen – manche Eigenschaften wird man aber nur mittels Gentechnik in die Pflanzen bringen können. Wer nachhaltige Landwirtschaft will, muss herkömmliche Methoden mit neuen biotechnologischen kombinieren. Der richtige Ansatz wäre, von neuen Sorten die Eigenschaften zu bewerten und nicht ihre Entstehungsgeschichte.
Weish: Längst bevor sie noch den Zellkern verstanden haben, wollen die Gentechniker die Welt verbessern, ohne sich mit sozioökonomischen und ökologischen Fragen zu befassen. Sie vertreten die Ansicht, wenn ich aus dem Organismus A ein Gen herausnehme und in den Organismus B einpflanze, macht es dort dann dasselbe wie in Organismus A. Das ist naiv. Das ist ja der Grund des Scheiterns der Gentechnik in der „Dritten Welt“, dass eben diese Pflanzen nicht besser wachsen. Natürlich müssen wir uns – auch im Kampf gegen den Klimawandel – auf nachwachsende Rohstoffe umstellen. Aber nicht mit Gentechnik. Ein Beispiel: Wir können heute abgeholzte Landstriche wieder bewalden – da muss man aber viel von ökologischen Zusammenhängen verstehen und behutsam vorgehen. Da kann ich nicht sagen, hier hab ich den ertragreichen Super-Gen-Eukalyptus, mit dem pflastere ich alles zu.

Verbessert Gentechnik die Lebensmittelversorgung?
Weish: Gentechnik ist ein Kind einer nicht zukunftsfähigen industriellen, erdölabhängigen Landwirtschaft. Die Lebensmittelversorgung der Zukunft kann aber nur durch kleinräumige, artenreiche Systeme gesichert werden, mit einer Vielfalt lokal angepasster Kulturmethoden. Dann habe ich auch keine Probleme mit Pilzbefall, weil biologisch angebaute Pflanzen gesünder sind. Gentechnik in den Händen der Großkonzerne, die alles monopolisieren und nur an Profit denken, zerstört die Freiheit, Souveränität und Lebensfähigkeit großer Bereiche der traditionellen Landwirtschaft.
Glößl: Gerade Gentechnik kann dazu beitragen, die Artenvielfalt in einer naturnahen Landwirtschaft und die Lebensmittelsicherheit zu erhöhen – in dem mit ihrer Hilfe Saatgut so verbessert wird, dass die Pflanzen etwa weniger schädlingsanfällig sind oder mehr Nährstoffe enthalten. Der Vorwurf, man schaut nur ein Gen an, stimmt nicht mehr: Heute kann man durch die Methoden der Genomforschung eine Frage in ihrer Vielschichtigkeit beantworten, also etwa wie reagiert eine Pflanze auf einen Schädling? Weiters wird Gentechnik auch als diagnostisches Werkzeug eingesetzt, um klassische Pflanzenzüchtung zu unterstützen. Gentechnik ist auch nicht an Monokulturen oder Konzerne gebunden. Um Letzteres zu garantieren, ist es wichtig, öffentliche Forschung zu fördern.

Ist es nicht ein Problem, dass Langzeitstudien über mehrere Jahre fehlen?
Weish: Natürlich, wir sind alle Versuchskaninchen. Bereits 60-Tage-Fütterungsversuche mit Ratten und Mäusen haben krankhafte Veränderungen an Leber- und Nierenzellen gezeigt. Die Konzerne spielen das aber alles herunter. Dabei sind Tests über 60 Tage doch keine Langzeitversuche.
Glößl: Gentechnisch veränderte Lebens- und Futtermittel sind die am besten untersuchten Produkte, da in Europa sehr hohe Sicherheitsstandards existieren. Es ist kein erhöhtes Risiko im Vergleich zu herkömmlichen Produkten erwiesen.

Artikel vom 27.09.2007, 18:10 | KURIER | W. Friedl u. E. Mauritz

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27.September.2007 at 18:27

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Gentechnik-Mais: Deutscher Schwenk

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Drei neue Genmaissorten werden bald in der EU als Futtermittel – nicht für den Anbau auf Feldern – zugelassen. Da es am Mittwoch im Rat der Landwirtschaftsminister keine klare Mehrheit dafür oder dagegen gab, kann die Kommission selbst entscheiden. Das Okay der Brüsseler EU-Behörde gilt als sicher, es wird innerhalb der nächsten Wochen erwartet.

EU-Gesundheitskommissar Markos Kyprianou betonte laut seinem Sprecher angesichts der steigenden Futtermittelpreise und Importabhängigkeit der EU, die Zulassung der Sorte DAS 9122 ,,Herkulex“ sei dringend. Die Importe von Maisgluten seien praktisch zum Erliegen gekommen, weil die Erzeuger aus Drittländern nicht mehr garantieren könnten, dass die Sorte der Firma Pioneer nicht in Spuren enthalten sei.

Die beiden anderen Sorten sind Kreuzungen aus bereits zugelassenen, gentechnisch veränderten Maissorten der Hersteller Pioneer und Monsanto. Die Kommission stützt sich auf eine positive Beurteilung durch die EU-Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Von den Produkten gehe „keine Gefährdung für Mensch und Tier aus“. Österreich zweifelt, wie berichtet, die Studien der Hersteller an.

Als Befürworter der Zulassung deklarierte sich erstmals Deutschland, das unter der früheren rot-grünen Regierung den Bedenken beigepflichtet hatte. Frankreich, bisher gentechnikfreundlich, enthielt sich dagegen der Stimme, da es derzeit seine Position überprüft. Malta, Luxemburg, Griechenland, Litauen, Lettland, Polen, Ungarn und Zypern unterstützten Österreich.

gefunden bei: Nachrichten.at

Written by genfood

27.September.2007 at 14:15

Veröffentlicht in EU-Behörden, Patente, Zulassungen

„Unbedenklich“: Neue Sorten Genmais vor EU-Zulassung

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Österreich scheitert mit Blockadeversuch.

Brüssel. (wot) Sie tragen recht charmante Namen: DAS-59122-7, 1507xNK603 und NK603xMON810. All diese gentechnisch veränderten Maissorten wird die EU-Kommission wohl demnächst für den Import, als Futter- und Lebensmittel sowie zur industriellen Verarbeitung in der EU zulassen. Ein letzter Anlauf Österreichs, die Zulassung doch noch zu verhindern, scheiterte beim Treffen der Landwirtschaftsminister gestern, Mittwoch. Eine überraschend deutliche Mehrheit der Länder hinter Großbritannien und den Niederlanden stimmte für die modifizierten Pflanzen. Dabei war auch Deutschland, das früher immer an der Seite Österreichs gegen die Gentechnikprodukte war. Einen Schwenk machte auch das bisher gentechnikfreundliche Frankreich, das sich diesmal der Stimme enthielt. Hintergrund ist eine intensive Debatte um eine Neuausrichtung der Grande Nation gegenüber den modifizierten Feldpflanzen.

Österreich hatte vergeblich argumentiert, dass die von den Herstellern Pioneer Overseas und Monsanto gelieferten Studien über die allergenen und toxischen Eigenschaften der behandelten Pflanzen nicht ausreichend seien. Immerhin produzieren die fraglichen Sorten Insektengift und sind resistent gegen Unkrautvernichter. Wie in solchen Fällen üblich, hat die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA die neuen Sorten aber bereits für unbedenklich erklärt. Das reicht der EU-Kommission üblicherweise für die Zulassung. Er verstehe das Problem nicht so ganz, meinte Gesundheitskommissar Markos Kyprianou: Die Gentechnikware sei ohnehin etikettiert, niemand müsse sie kaufen.

gefunden bei: Wiener Zeitung

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26.September.2007 at 22:14

Veröffentlicht in EU-Behörden, Zulassungen

Wahlfreiheit für Verbraucher

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Borkenwirthe. Reizthema Genmais. Um den Versuchsanbau in Borkenwirthe schwelt der Streit zwischen Gegnern der grünen Gentechnik und dem Saatgutunternehmen Monsanto. Johannes Röring, CDU-Bundestagsabgeordneter und Landwirt, äußerte sich jetzt im BZ-Interview, wie er zu dieser Kontroverse und generell zur Gentechnik steht. Die Fragen stellte BZ-Redakteur Peter Berger.

Das Bundeskabinett hat größere Mindestabstände zwischen Feldern mit gentechnisch veränderten Pflanzen und dem herkömmlichen Anbau beschlossen. Zugleich sieht der Deutsche Bauernverband in der Novellierung des Gentechnik-Gesetzes keine ausreichenden Fortschritte. Wie groß ist für Sie der Spagat als Vertreter einer Regierungspartei und als Standesvertreter der Landwirtschaft im Kreis Borken?

Röring: Sowohl als Vertreter einer Regierungspartei als auch als Repräsentant des landwirtschaftlichen Berufsstandes habe ich an das Gentechnikgesetz den Anspruch, dass es dem Produzenten und dem Konsumenten ein hohes Maß an Transparenz und Klarheit bietet. Das bedeutet für die Landwirtschaft, dass der Produzent aufgrund der rechtlichen Rahmenbedingungen die Wahlfreiheit haben muss, ob er gentechnisch veränderte Pflanzen anbauen möchte oder nicht.

Dies gilt auch für den Verbraucher, denn dieser muss weiterhin selbst entscheiden können, welches Produkt er kaufen möchte. Daher müssen alle Lebensmittel, bei denen im Herstellungsprozess gentechnisch veränderte Organismen eingesetzt wurden, klar gekennzeichnet werden.

Der Bauernverband sieht die Haftungsrisiken nicht ausreichend berücksichtigt. Wie kann sichergestellt werden, dass Landwirte, die keine gentechnisch veränderten Pflanzen anbauen, für wirtschaftliche Nachteile, die ihnen zum Beispiel durch die Verunreinigung ihrer Ernte entstehen, entschädigt werden? Was halten Sie von der Idee eines Haftungsfonds?

Röring: Grundsätzlich beurteilt der DBV kritisch, dass die angekündigte Präzisierung der Haftungsregelungen im Gentechnikgesetz unterbleiben soll. Weil die aktuelle Rechtslage nicht eindeutig klärt, wer bei Auftreten von „Verunreinigungen“ auf benachbarten Feldern haftet, wenn die gute fachliche Praxis durch den Landwirt eingehalten wurde, ist die aktuelle Regelung auch aus meiner Sicht zu kritisieren. Damit wird weder den Landwirten noch der Versicherungswirtschaft eine ausreichende Grundlage für die Kalkulierbarkeit möglicher Haftungsrisiken gewährt. Wer die gute fachliche Praxis beim Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen einhält, darf nicht mit Haftungsrisiken und Regressforderungen belastet werden.

Meiner Ansicht nach kann das Haftungsproblem umfassend durch einen Haftungsfonds gelöst werden, wobei eindeutig geklärt werden muss, wer diesen dann finanziell speist.

Ein Großteil der Bevölkerung lehnt laut Umfragen nach wie vor den Einsatz von Grüner Gentechnik in der Lebensmittelproduktion ab. Wie gehen Sie mit diesen Vorbehalten um?

Röring: Beim Einsatz der grünen Gentechnik sind im Vergleich zur roten und weißen Gentechnik in der Medizin und Chemie, die positiven Signale noch nicht so weit entwickelt. Bisher kann der Bürger den praktischen Nutzen der grünen Gentechnik nicht ohne weiteres erkennen. Man muss auch konstatieren, dass in der Öffentlichkeit eine oft sehr einseitige, nicht wissenschaftlich-fundierte Debatte geführt wird.

Fakt ist, dass wir auch heute schon sehr oft unbewusst mit der grünen Gentechnik zu tun haben. Denn die derzeitige Kennzeichnungsregelung führt den Verbraucher in die Irre. Nachdem alles, was durch den Tiermagen gegangen ist, nicht gekennzeichnet werden braucht, ebenso wenig wie gentechnisch veränderte Enzyme und Vitamine, meinen viele, dass er mit Gentechnik noch nicht in Berührung gekommen ist. Experten der Lebensmittelbranche dagegen stellen fest, dass bei konsequenter Kennzeichnung 80 Prozent unserer Lebensmittel als gentechnisch verändert auszuzeichnen wären. Daher spreche ich mich für eine offene, sehr transparente Kennzeichnungsregelung aus, damit der Verbraucher in Zukunft wirklich erkennen kann, wann er mit der grünen Gentechnik in Berührung kommt.

Die Saatgutfirma Monsanto hat in diesem Frühjahr auf die Ankündigung des Bundessortenamtes, den Testanbau in Borkenwirthe zu stoppen, damit reagiert, dass sie Nachbarflächen dazugepachtet hat, um so die geforderten größeren Mindestabstände einzuhalten. Für viele Genmais-Gegner war das eine klare Rechtsbeugung. Inwieweit spaltet Monsanto die Solidarität der heimischen Landwirtschaft?

Röring: Mit der Entscheidung Monsantos, Nachbarflächen dazuzupachten um damit einen 150-Meter-Abstand zu garantieren, wurde eine Weisung vom Auftraggeber des Versuchsanbaus, dem Bundessortenamt, korrekt umgesetzt und Restriktionsmöglichkeiten überflüssig. Eine Rechtsbeugung ist hier sicherlich auszuschließen. Ich denke auch nicht, dass Monsanto die Solidarität der Landwirtschaft spaltet. Vielmehr geht es um die Debatte der Wahlfreiheit für die Landwirtschaft und eine funktionierende Koexistenz im Anbau. Hier brauchen alle am Markt tätigen Unternehmen, die Forschungseinrichtungen und die staatlichen Behörden Partner aus der Landwirtschaft, um durch Forschung und Entwicklung aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten.

Welchen Stellenwert wird die Grüne Gentechnik in fünf Jahren im Westmünsterland haben?

Röring: Um die aktuell stark wachsenden Absatzmärkte zu bedienen, aber auch um Versorgungssicherheit garantieren zu können, brauchen wir zwangsläufig eine verbesserte Nutzung der weltweit vorhandenen Ressourcen. Hierbei kann und wird die Gentechnik eine Rolle spielen.

Als aktuelles Beispiel ist die Ausbreitung des Maiswurzelbohrers in Süddeutschland zu sehen. Dieser für den Mais extrem schädliche Käfer könnte durch den Einsatz gentechnisch veränderten Maises effektiv bekämpft werden. Das soll nicht bedeuten, dass Gentechnik ein Allheilmittel in der Pflanzenproduktion sein muss, aber ein gegebenenfalls sehr nützliches Instrument bei der Optimierung landwirtschaftlicher Erträge sein kann.

Ich rechne in fünf Jahren nicht mit dem flächendeckenden Einsatz von Gentechnik im Kreis Borken. Ich möchte aber konkret zu bedenken geben, dass in Anbetracht der steigenden Diskussion um eine Flächenkonkurrenz zwischen Energie und Nahrung eine Optimierung der Ausnutzung der knappen Ressourcen notwendig ist und genau hier kann die Gentechnik helfen.

 

Gefunden bei: Borkener Zeitung

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26.September.2007 at 22:11

Veröffentlicht in Andere über..., Firmenpolitik

EU beschließt Sofortschritte gegen hohe Getreidepreise

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Brüssel (AFP) — Die Europäische Union hat sich auf Sofortmaßnahmen gegen die hohen Getreidepreise verständigt. Die EU-Agrarminister billigten am Mittwoch in Brüssel einstimmig einen Vorschlag der EU-Kommission, die verpflichtende Flächenstilllegung kurzfristig auszusetzen. Damit können Europas Landwirte ab diesem Herbst wieder alle Äcker bestellen. Derzeit liegen rund zehn Prozent der EU-Ackerfläche brach, das entspricht rund drei Millionen Hektar. Bei den ebenfalls gestiegenen Milchpreisen sieht die Bundesregierung dagegen noch keinen Handlungsbedarf.

Der deutsche Agrar-Staatssekretär Gert Lindemann äußerte sich zuversichtlich, dass mit einem höheren Getreideangebot der weltweite Preisanstieg gedämpft werden könne. Auch EU-Landwirtschaftskommissarin Mariann Fischer Boel begrüßte den Beschluss des Ministerrats. Hierdurch werde sich die durch „historisch hohe Preise“ gekennzeichnete Lage am Markt entspannen. Die dänische Kommissarin rechnet nun im kommenden Jahr mit einer um mindestens zehn Millionen Tonnen höheren Getreideernte. Die seit 15 Jahren geltende Pflicht zur Flächenstilllegung diente bisher dazu, den EU-Getreideberg abzubauen.

Der portugiesische Landwirtschaftsminister und EU-Ratsvorsitzende Jaime Silva stellte zur Debatte, „strategische Reserven“ für Getreide ähnlich wie für Öl einzurichten. Dies könne bei der Reform der EU-Agrarpolitik ab 2013 eine Rolle spielen, sagte Silva. Auch Fischer Boel hatte zuvor solche Notlager ins Gespräch gebracht.

Bei den ebenfalls gestiegenen Preisen für Milch und Milchprodukte wie Joghurt oder Sahne sieht Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) nach Angaben von Staatssekretär Lindemann vorerst keinen Anlass zum Handeln. „Wir sehen nach 30 Jahren eines schlechten Milchpreises erstmals eine gewisse Erholung“, sagte Lindemann. Die Bundesregierung sei daher gegen einen Vorschlag Polens, die EU-Milchquoten kurzfristig anzuheben. Sollte die „Hochpreisphase“ anhalten, könne die EU aber im kommenden Jahr eingreifen. Möglich nannte Lindemann eine Senkung der Strafabgaben für Bauern, die die Quoten überschreiten.

Die Agrarminister stimmten zudem für einen beschleunigten Abbau des EU-Zuckerberges. Die Produktion soll bis 2010 um sechs Millionen Tonnen sinken, bisher sind aber nur 2,2 Millionen Tonnen erreicht. Nun sollen die finanziellen Anreize für die Zuckerproduzenten zum Ausstieg verstärkt werden.

Nicht die nötige Mehrheit fand im Rat ein Antrag zur Import-Zulassung von drei Genmais-Sorten der US-Firmen Monsanto und Pioneer. Damit fällt die Entscheidung der EU-Kommission zu, die ihre Zustimmung bereits in Aussicht gestellt hat. Deutschland stimmte für die Zulassung. Da es sich um Futtermittelmaissorten handele, bestehe keine Gefahr, dass die Gen-Organismen in die Nahrungsmittelkette gelangten, sagte Lindemann. Thema bei dem Treffen war auch die umstrittene Weinmarktreform. Deutschland lehnt die Brüsseler Pläne zu einem Verbot der Zuckeranreichung entschieden ab.

gefunden bei: AFP

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26.September.2007 at 16:22

Veröffentlicht in EU-Behörden, Zulassungen

Drei Genmais-Sorten vor EU-Zulassung

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Wieder Pattsituation bei den Agrarministern: Die Entscheidung dürfte auf die Kommission zurückfallen

Brüssel – Die Landwirtschaftsminister der 27 EU-Mitgliedstaaten werden bei ihrem Treffen heute, Mittwoch, in Brüssel die Zulassung weiterer genveränderter Maissorten als Futter- oder Lebensmittel – aber nicht zum Anbau – diskutieren. Diplomaten erwarten, dass es unter den Ministern – wie bei genveränderten Organismen (GVO) so oft – weder für noch gegen die Zulassung eine entsprechende Mehrheit geben wird. Daher fällt die Entscheidung an die EU-Kommission zurück, die bisher in der Regel immer zugelassen hat.

Positive Gutachten

Bei den genveränderten Maissorten handelt es sich um den Futtermais DAS 59122 von Pioneer, der in anderen Weltgegenden außerhalb der EU bereits zugelassen ist und daher immer wieder in Spurenelementen in EU-Lieferungen entdeckt wurde. Die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) habe ein positives Gutachten abgeben, heißt es in Brüssel. Die beiden anderen Maissorten sind Kreuzungen von schon in der EU zugelassenen Produkten von Monsanto (NK 603, MON 810) und Pioneer (1507).

Österreich sei gegen die Zulassung, nicht zuletzt weil die Studien, die die Unternehmen vorgelegt haben, zu kurz greifen würden, verlautete am Dienstag aus Diplomatenkreisen.

Elemente aus den Maissorten – etwa bestimmte Eiweiße – könnten über die Zulassung als Lebens- und Futtermittel hinaus auch für technische Zwecke genützt werden, was in dem Verfahren nicht berücksichtigt werde. Strittig ist auch noch, ob bei Hybrid-Sorten der zulässige Verunreinigungsgrad von 0,9 Prozent (ab diesem muss ein Lebens- oder Futtermittel gekennzeichnet werden) gilt, oder die Grenze doppelt so hoch liegen dürfte.

Neue Strategie Frankreichs

Von den großen Mitgliedstaaten wird sich Deutschland für die Zulassung aussprechen und Frankreich sich seiner Stimme enthalten. Paris überdenkt seine Haltung zur Gentechnik. Vor Kurzem wurde ein vorübergehendes Anbauverbot angekündigt. Ende Oktober will Frankreich seine neue Strategie vorstellen.

Der Großteil der Futtermittel in Österreich ist laut Landwirtschaftskammer Gentechnik-frei. Anders sieht es beim Import von Sojaschrot aus, der bis zu 95 Prozent als GVO deklariert wird. (APA, mimo, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.9.2007)

gefunden bei: der Standard

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26.September.2007 at 13:27

Veröffentlicht in EU-Behörden, Zulassungen

Der „grüne Imperialismus“

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AGROKRAFSTSTOFFE: DIE BEDROHUNGEN DURCH DEN „GRÜNEN IMPERIALISMUS“

Was für die Einen „Bio“ ist, ist für die Anderen tödlich. Ein Artikel über den „grünen Imperialismus“ von Gerardo Cerdas Vega, Teilnehmer am VI Hemissphärischen Treffen gegen Freihandelsabkommen und eine falsche „Integration der Völker“ am 04. Mai 2007 in Havanna…

Gerardo Cerdas Vega
Im Rahmen des VI Hemissphärischen Treffens am 04. Mai 2007 in Havanna, für den Kampf gegen die Freihandelsabkommen (TLC’s) und anlässlich der Integration der Völker, fand eine wichtige Diskussionsrunde zur Thematik Agrokraftstoffe statt. Deren verstärkte Herstellung, die durch die Verzweiflung der USA angesichts ihrer imminenten Energiekrise vorangetrieben wird, nämlich droht Lateinamerika in einen Wettlauf zu stürzen, der bis zur Verwüstung der Umwelt und Produktion, des Sozialwesens und der Kultur geht.
Die DiskussisionteilnehmerInnen Francisca Rodríguez von der Nationalen Vereinigung der Land,-und Indigenafrauen, Chile; Maria Luisa Mendonça vom Sozialen Netz für Gerechtigkeit und Menschenrechte, Brasilien und Horacio Martins von der braslianischen Landlosenbewegung nahmen das Thema ausführlich in Angriff. Der Inhalt der Erörterungen soll mit diesem Artikel wiedergegeben werden.

EINIGE DER DISKUSSIONSELEMENTE

DIE LAWINE DES „GRÜNEN IMPERIALISMUS“
Der „grüne Imperialismus“, der sich in das Gewand der Sorge um die Umwelt und über die globale Erwärmung hüllt, verbirgt hinter seinen umwelt,- kulturellen,- und sozialen Implikationen eine perverse Realität. „Führen wir uns vor Augen, begann Horacio Martins seinen Diskurs, dass die Basis der Agrotreibstoffe Biomasse ist und das deswegen für ihre Herstellung die Kontrolle über Land, Wasser und sämtliche natürlichen Ressourcen erlangt werden muss, ebenso wie über die Agrarzonen der Welt, die gegenwärtig einem wilden Disput ausgesetzt sind, damit sie sich der Produktion dieser Treibstoffe unterwerfen“. Im Weiteren nahm Martins ausführlich Bezug auf die aktuelle Situation in Brasilien und die Aussichten für die kommenden 25 Jahre. Denn für Martins markiert das, was derzeit in Brasilien geschieht, den Weg, dem viele weitere Länder Lateinamerikas folgen werden.

Brasilien erlebt gegenwärtig einen heftigen Streit über die Kontrolle von 150 Millionen Hektar Anbaufläche in Amazonien, die ausschliesslich für die Kultivierung verschiedener Pflanzentypen zur Ethanol,- und Biodieselherstellung bestimmt sind.
Die FAO schätzt, dass die Agrotreibstoffe im Verlauf der nächsten 15 bis 20 Jahre 25% des weltweiten Energiesverbrauchs ausmachen werden. Deshalb ist Brasilien ein Land, um das die Grosskapitalisten sich streiten.
Einige Daten: 2006 wurde die weltweite Ethanolproduktion von Brasilien und den USA, mit einem Anteil von insgesamt 60%, kontrolliert. Schätzungen zufolge wird in 2010 die Produktion 70.000 Millionen Liter Ethanol betragen, die mehrheitlich in die USA exportiert werden, denn dort sind mehr als 40% aller Kraftfahrzeuge der Welt konzentriert. Die Anbaulast für das dazu notwendige Getreide, wie etwa Mais, aber verlagern die Vereinigten Staaten nach Brasilien. Die Tendenz des Konsums von mit Ethanol vermischten, fossilen Treibstoffen ist eindeutig: Die USA, Japan und Europa werden immer mehr Millionen Liter Ethanol importieren. In den Vereinigten Staaten werden fosslie Kraftsstoffe bis 2030 30%tig mit Ethanol vermischt sein. Übersetzt bedeutet dies, dass die Ethanolproduktion von gegenwärtig 58.000 Millionen Liter auf 260.000 Millionen Liter heraufgeschraubt werden muss. Das setzt eine kolossale Verschwendung von Ressourcen und Nahrungsmitteln voraus, die dazu bestimmt werden, Tanks zu füllen, anstatt die Mägen der Menschen.

Ein weiteres sensibles Thema ist das des Grundbesitzes. Die Landflächen werden mehr und mehr von transnationalen Konzernen besetzt. In Brasilien wird Land für die Produktion von Soya, Zuckerrohr und andere Monokulturpflanzen inzwischen sogar über Internet angeboten. Dieser Prozess ist begleitet von der Vertreibung von tausenden bäuerlichen und indigenen Familien. Tatsächlich bringt die Kontrolle über die Biomasse die Kotrolle über das Land mit sich… Dies ist ein Territorial-Imperialismus der dem Kapital sämtliche Begünstigungen einbringt und in massiver Weise die Kontrolle der Transnationalen über die Landflächen und die Vertreibung von Bauern und Indigenas einführt. Die Zerstörung des Bauerntums und der Indigenas bedeutet jedoch die Zerstörung von Kulturen, auch der ursprünglichsten. „Wir erleben eine wahrhaftige Lawine ‚grünen Imerialismus‘, der zu einer wachsenden Verwüstung des Landes führen wird, insbesondere in den Amazonaswäldern und der Savanne. Man glaubt, dass in 30 Jahren die gesamte brasilianische Savanne für die Produktion von Agrotreibstoffen genutzt werden wird. Diese Produktion führt zu einer Verschmutzung der wasserführenden Schicht des Guaraní, die wir mit anderen vier Ländern teilen und die in zunehmendem Maße von Multis wie Coca Cola und Nestle kontrolliert wird“, so Horacio Martins. Keine erbaulichen Aussichten.

Zu Alledem hinzu, verlangt die internationale Geopolitik des nordamerikanischen Imperiums, soziale Stabilität in Brasilien. Das soll heissen, dass weder Kämpfe um Land noch eine starke Soziale Bewegung toleriert werden dürfen. Es ist zu erwarten, dass die Repression und die soziale Kontrolle, besonders der Bauernbewegungen, die wie die MST (Landlosenbewegung) für den Zugang zu Land und Produktivressourcen für mehr als 8 Millionen bäuerliche Familien in Brasilien kämpfen, zunehmen werden.

PREKÄRE ARBEIT UND SKLAVEREI: DAS BRUTALE GESICHT DER MONOKULTUREN

Und als als wäre all´dies nicht genug um die Perversität der neuen Energie-Matriz, die gegenwärtig geschaffen wird, zu demonstrieren, sind wir damit konfrontiert, dass die Prekärität im Arbeitsleben und die Sklaverei in Ländern wie Brasilien eine schmerzhafte Realität sind. Sie ermöglicht es, die brutale Seite der Monokulturen zu erfassen.

Die Zuckerrohrmonokulturen z.B.,…das Vertragssystem basiert auf der Ausbeutung von Billigarbeitskräften und sogar SklavInnen; die Löhne sind extrem niedrig und Risiken wie Erkrankungen, schwere Verletzungen und Tod sind das tägliche Brot. Das Arbeitsministerium in São Paulo sagt, der Zucker ist in Blut, Schweiss und Tod gebadet: Allein 2005 wurden in der agrarischen Zuckerrohrindustrie 400 Tote verzeichnet: Unfälle mit Maschinen, ArbeiterInnen die Verbrennungen und Hitzschläge erlitten, Verseuchungen, erschöpfungsbedingte Infarkte, Hautkrebs in Verbindung mit den angewandten Agrochemikalien und viele andere arbeitsbedingte Krankheiten.

Sklavenarbeit ist die Realität in allen Produktionsstätten. 2006 inspizierte das Innenministerium 74 davon allein in São Paulo und gegen alle gab es Prozesse wegen dutzender SklavInnen, die alle ohne Verträge arbeiteten, ohne Schutzgarantien, in prekärer Situation ohne angemessene Ernährung, Wasser und aufgrund u.a. der Verpflichtung, hohe Schuldenbeträge an ihre Arbeitgeber zu zahlen, ohne die Möglichkeit, dem zu entkommen. Die Arbeitssituation in den verarbeitenden Fabriken und auf den Zuckerrohrfeldern Brasiliens ist jedoch nicht nur typisch für dieses Land. Wir wissen, dass dieselbe Situation heute in allen Ländern Lateinamerikas und der Karibik herrscht, in denen Zuckerrohr angebaut wird, sei es für die Zucker,-oder Ethanolgewinnung; mit der Zunahme von letzterem ist auch die gwaltsame Ausbeutung von Tausenden von Bauern und Indigenas auf dem gesamten Kontinent zu erwarten. ( siehe auch: Zuckerrohrsklaven auf Haiti: http://de.indymedia.org/2007/07/189143.shtml, unten)

Für Maria Luisa Mendonça ist es wichtig daran zu erinnern, dass die Mehrzahl der Kriege während der letzten Jahrhunderte in engster Verbindung mit der Kontrolle der Energiequellen seitens der Grossmächte, insbesondere im Rahmen des industriellen Kapitalismus, stehen. Tatsächlich ist dies gegenwärtig ein zentrales Thema der Aussenpolitik der Vereinigten Staaten, die angesichts der unverhehlbaren Tatsache, dass ihre Ölvorkommen nur noch 10 bis 15 Jahre reichen werden und angesichts des wachsenden Zugangs der Wirtschaftsblocks zu fossilen Kraftsstoffen, zu welchen aktuell das ölhungrige China hinzukommt, versuchen, sich die Kontrolle über die Energiequellen auf globaler Ebene zu sichern.

Diese Fakten sind fundamental um die Dringlichkeit und Agressivität zu begreifen, mit der die USA die massive Produktion der Agrokraftstoffe in Lateinamerika vorantreiben. Damit gehorchen sie den Bedürfnissen des Energiekonsums ihrer industriellen Struktur und einer Gesellschaft, deren Konsumhörige in konstanter Weise einem Überverbrauch an Energie, mit steigender Tendenz, frönen. Für Mendonça ist der weltweite Energieverbrauch, insbesondere der USA, einerseits sehr hoch, andererseits ist er in privilegierten Sektoren, der Industrie und finanzstarken Bevölkerungsgruppen konzentriert. Das bedeutet, dass die gesamte Menschheit einen hohen Preis dafür zu bezahlen hat, damit ein paar Millionen in privilegierter Weise Energie erhalten.
In diesem Sinne folgt die massive Produktion von Agrokraftstoffen der historischen „Tradition“, die seit dem Kolonialismus die grossen Oligarchen unserer Länder und die zentralen Länder des Kapitalismus bevorteiligt hat. Heute bieten unsere Länder den reichen billige Energie an und dies ist ein neuer Augenblick innerhalb der neokolonialen Projekte dieser Mächtigen.

Im selben Sinne, so erläutert Horacio Martins, ist es notwendig die Problematik der Agrokraftstoffe im Rahmen des Paradigmas des monopolistischen und transnationalen, zeitgenössischen Kapitalismus zu verorten, der das Finanzkapital kontrolliert und für den es in keinster Weise von Wichtigkeit ist, was mit der Umwelt, den Völkern/Gemeinschaften und den gesellschaftlichen Strukturen geschieht. Die aktuelle Diskussion über die Energiekrise ist eine falsche Diskussion, mit der versucht wird, eine Energiematriz neuen Typs zu konstruieren, aber immer kontrolliert von den selben transnationalen Kapitalisten, die nicht nur die Kontrolle über das Öl, sondern nun auch über die Quellen der Biomasse besitzen. Auf diese Weise vertuscht die sog. Energiekrise, dass das, was sich tatsächlich in einer Krise befindet, das Produktionsmodell selbst ist, der industrielle, plündernde Kapitalismus, aufgrund dessen Energiebedarf man den kulturellen und natürlichen Reichtum eines Grossteils der Menschheit opfern will.

AGROKRAFTSTOFFE UND NAHRUNGSSOUVERÄNITÄT

Francisca Rodríguez unterstrich emphatisch, dass die massive Produktion von Agrokraftstoffen in direkter Weise das Recht der Völker auf Nahrungsmittelsouveränität betrifft. Sie wies die Formulierung „Biokraftsstoffe“ zurück, da, so ihre Argumentation, „bio“ Leben bedeutet und etwas Positives, auch für die Umwelt suggeriert, während in Wirklichkeit diese Art von Kraftstoffen der Erde entnommen werden, die sie genauso oder sogar mehr verschmutzen wie die fossilen Energieträger. „Von daher dürfen wir nicht von Biokrafststoffen sprechen, sondern sie müssen als Agrokraftstoffe bezeichnet werden, weil sie aus der Erde kommen (in die die Biomasse überdies nicht zurückgeführt wird) und von dieser Erde werden Bauern und Indignas vetrieben, damit die grossen Konsortien und die Grossgrundbesitzer die Kontrolle über sie erlangen und sie dazu bestimmen können, Motoren zu speisen anstatt Menschen zu ernähren“.

Gleichzeitig erinnerte Rodríguez daran, „dass die Bauern,- und Indigenaorganisationen sich anfangs nicht des Ausmaßes der Gefahr bewusst waren, die die Produktion der Agrokraftstoffe in sich birgt, dass sie heute jedoch sehr wohl identifiziert haben, was diese bedeutet. Etwa dass sie u.a. auf eine noch stärkere Unterdrückung der bäuerlichen und indigenen Gemeinschaften abzielt, um die gewaltigen Probleme der zentralen Länder des Kapaitalismus zu lösen. Hierzu wird überdies eine intensive Manipulation durch die Medien eingesetzt: Wir werden die Umwelt schützen, heisst es lautstark, wir werden keine Verschmutzungen begehen; es handelt sich um viel weniger schadensverursachende Kraftstoffe; etc.. Damit wird vertuscht, dass es sich um eine Ernergiepolitik handelt, die die Völker/Gemeinschaften an den Rand der Vernichtung bringen wird. Diese Manipulation ist ein Betrug mehr des Bauerntums, da viele denken werden, es böte sich eine Form, um der Armut, in der sie sich befinden, zu entkommen und die städtischen Bereiche werden, genauso wie die Bauern, der Annahme aufsitzen, dass es eine Entwicklungsmöglichkeit darstellt, wenn die Agrokraftstoffe umweltfreundlich usw. sind“.

„Angesichts dieser Bedrohung, so die Rodríguez weiter, muss die bäuerliche.-und indigene Welt ihr Saatgut schützen und es der Privatisierung des Lebens entziehen. Die Notwendigkeit das traditionelle Wissen und der Landbearbeitung zurückzuerobern und zu zurückzufordern, ist ein untrennbarer Teil der Nahrungssouveränität. Die Bauern,-und Indigenaorganisationen stehen vor enormen Herausforderungen, denn das was durch die Produktion der Agrokraftstoffe geschieht, betrifft diese Gemeinschaften in direktester Form. Sie sind die Ersten, auch wenn die negativen Auswirkungen die gesamte Gesellschaft treffen.
Von daher müssen wir uns gegenüber diesen Herausforderungen zur Verteidigung des Lands verpflichten, aufdecken was sich hinter diesen Projekten verbirgt und eine tiefgreifende Diskussion ausslösen, über die Bedeutung des aktuellen Modells von Energieverbrauch,-und Produktion im Kapitalismus, den grossen Städten und in den Fabriken. Was wir wollen, ist den Genozid an der Erde umkehren. Wir wissen was extensive Monokulturen bedeuten, unter denen Zentralamerika und Südamerika bereits leiden. Monsanto ist schon in Chile, denn nach seinen Plänen ist dieses der Hauptproduzent von transgenem Saatgut. Allen Ländern weisen sie einen Part in diesem Bild der Perversion zu. All´dies bringt sowohl unser Leben wie auch die Biodiversität in Gefahr und das Leben des Planeten Erde an sich. Deshalb müssen wir zu grossen Taten fähig sein. Wir können nicht nur dabeibleiben, den Kampf ausschliesslich gegen die Agrokraftsstoffe zu richten…, wir müssen für unsere eigene Agenda, dessen was Nahrungssouveränität ist, kämpfen; für die Agrarreform und den Kampf führen gegen den ungezügelten Kapitalismus, der unsere Völker/Gemeinschaften zerstört“.

WAS TUN ANGESICHTS DIESER REALITÄT?

Die Diskussionsrunde sah es für notwendig an, vier Kampfesebenen zu artikulieren:

1. Öffentliche Anklage: Es ist nötig die Anklage der Auswirkungen und Bedeutung dieser ganzen Produktion von Agrokraftstoffen zu vertiefen und zu einer neuer Art von Anklage zu entwickeln, die sehr stark empirisch wissenschaftlich fundamentiert ist, da wir mit einer Strategie des Kapitals konfrontiert sind, die Dinge als positiv zu präsentieren. Wir müssen die „ökologische“ Propaganda über die Agrokraftsstoffe entmystifizieren und die Negativeffekte dieser Energie zur Sprache bringen (für jeden Liter Ethanol werden 12 l Wasser verbraucht), die Kontamination der Böden und der Grundwasservorkommen, die Produktion von Treibhausgasen, um nur einige davon zu benennen.

2. Sozialer Widerstand: Die Hypothese der Schaffung einer Alternativgesellschaft setzt voraus, dass die Bauern/Bäuerinnen und indigenen Gemeinschaften über eine generelle Autonomie im Bereich Energie verfügen. Es muss ein gesellschaftliches Projekt vorgeschlagen werden, dass fähig ist, das kapitalistische abzulehnen und dies kann nur erreicht werden, wenn sich ein enormer sozialer Widerstand artikuliert, der reale Alternativen zum herkömmlichen Modell verficht.

3. Direkte Aktion: Wir müssen das Kapital auf dem Land konfrontieren und die Produktionsstätten und das Land besetzen, das für den Anbau von Zuckerrohr, Soya oder transgenem Mais benutzt wird und so das Kapital gemeinsam mit dem ländlichen Proletariat, den TagelöhnerInnen, ZeitarbeiterInnen und Prekären konfrontieren.

4. Artikulation des Kampfes auf internationaler Ebene: Aufgrund der Dimension der Problematik ist ein isolierter Kampf unmöglich. Es braucht gemeinsame Strategien und das ist ein Feld auf dem dringend forangeschritten werden muss.

Der Kampf, so Francisca Rodríguez abschliessend, „muss sich an der Schaffung und Sicherung unserer eigenen Agenda als Alternativfront gegen die fortschreitende Zerstörung der Umwelt, des Sozialen und der Kultur/ren in dieser Phase des Kapitalismus in der Welt orientieren: Ein Kampf um Agrarreformen, für Nahrungsouveränität, für ein Energiemodell, das das Gleichgewicht der Natur respektiert und für die Überwindung des Kapitalismus durch neue Formen der sozialen und produktiven Organisierung, demokratisch und umfassend“.

Für eine Vertiefung in faktische Detaills, zu dem was hier angesichts der Komplexität des Themas, das auch „Todessprit“ oder Kraftsstoffkanibalismus heissen könnte, quasi nur angerissen wurde, gibt es inzwischen auch fundierte „Lektüre“ in Deutsch. Ganz besonders empfehlenwert ist die neueste Ausgabe von „Regenwaldreport“, die sich ausschliesschlich und bereits unter Anwendung dieses Termiunus, mit Agrokraftstoffen befasst:
www.regenwald.org

Quelle dieses Artikels: www.ecoportal.net
Übersetzung: tierr@

Links:
Die Mythen über Biokraftstoff:
http://de.indymedia.org/2007/06/185388.shtml
Agrosprit: Aufruf zu Moratorium:
http://de.indymedia.org/2007/07/188020.shtml

Kolumbien:Morde für Palmöl:
http://de.indymedia.org/2007/09/194559.shtml

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Von Kyoto nach Quito Teil 1-3
http://de.indymedia.org/2007/07/188274.shtml
http://de.indymedia.org/2007/07/188303.shtml
http://de.indymedia.org/2007/07/188420.shtml

Merkel und der Quito-Vorschlag, unter:
Aufruf für ein Klimacamp in der BRD 2008
http://de.indymedia.org/2007/09/194022.shtml

http://www.climateimc.org/de
mehsprachig: www.oilwatch.org

Öl: mehr Fluch als Segen ( Ministertreffen des Südens)
http://de.indymedia.org/2007/07/187688.shtml

Ölkonzerne, Indigen @s, Umwelt… Nato verteidigt Ölkonzerne
http://de.indymedia.org/2007/08/189591.shtml
Volkstribunal verklagt Repsol – ÖkoFlucht
http://de.indymedia.org/2007/07/186822.shtml
Nigeria:Schüsse gegen Umweltschützer
http://de.indymedia.org/2007/08/190021.shtml

Infoportal America Latina en movimiento
Portug., engl.
http://alainet.org/
Biodiversidad en América Latina
http://www.biodiversidadla.org/content/view/full/30737

gefunden bei: Indymedia

Written by genfood

24.September.2007 at 8:14

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