Monsanto

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Die Saat geht auf

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Von Carsten Knop und Michael Psotta

Bei der Zucht von Braugerste

18. September 2007
Milchprodukte sind in Deutschland erheblich teurer geworden, die neuen Butterpreise haben inzwischen jeden erstaunt. Die Franzosen beklagen unterdessen steigende Baguette-Preise, denn auch der Preis für Weizen klettert auf immer neue Rekordhöhen. Für die Weltbevölkerung ist der Grund für diese Entwicklungen eine große Herausforderung. Für die Agrarchemie handelt es sich um einen geschäftlicher Glücksfall: Landwirtschaftliche Produkte werden immer knapper. Und nach allen Erkenntnissen gilt dies nicht für eine kurze Zeitspanne. Die Entwicklung wird die Menschheit Jahrzehnte begleiten. In den kommenden 25 Jahren dürfte die Weltbevölkerung um ein Fünftel auf mehr als 8 Milliarden Menschen zunehmen. Diese Bevölkerung will ernährt und bekleidet werden.

Da auch vieles dafür spricht, dass ein immer größer werdender Anteil der Menschen allmählich zu Wohlstand gelangt, wird der Kalorienbedarf pro Kopf vermutlich ebenfalls stark zunehmen. So gehen Fachleute davon aus, dass die Nachfrage aus aller Welt nach Nahrungsmitteln und Naturfasern in den kommenden 25 Jahren sogar um 35 Prozent wachsen wird. Besonders kräftig dürfte die Nachfrage nach Fleisch steigen, was dazu führt, dass auch immer mehr Futtermittel erzeugt werden müssen. Studien der Weltbank zeigen, dass insbesondere in Ländern mit einem Pro-Kopf-Einkommen zwischen 2000 und 5000 Dollar im Jahr deutlich stärker proteinreiche Nahrung nachgefragt wird. China und Indien liegen derzeit in dieser Spanne.

Die Börse hat es längst gemerkt

Um die Verwendung der Nutzpflanzen ist unterdessen ein neuer Wettbewerb jenseits der Nahrungsmittelindustrie entbrannt. So wurde 2006 schon ein Fünftel der amerikanischen Maisernte in Biotreibstoff verwandelt. Das entspricht einer Zunahme um 300 Prozent seit 2000; der Trend ist noch längst nicht gebrochen. Die Dimensionen klingen bedrohlich. Angesichts begrenzter landwirtschaftlicher Anbauflächen werfen sie die Frage auf, ob die Bauern dieser Erde überhaupt in der Lage sein werden, die gewaltige Nachfrage zu bedienen.

Vermutlich wären sie es nicht, wenn sie nicht mit der Hilfe von Hochtechnologie in die Lage versetzt würden, die Produktivität deutlich zu erhöhen. Das ist eine große Chance für Anbieter wie zum Beispiel Monsanto, Bayer Crop Science oder auch den Schweizer Syngenta-Konzern, der im Pflanzenschutz Weltmarktführer ist und zudem zu den großen Saatgutproduzenten hinter dem auf diesem Gebiet führenden Monsanto-Konzern aus den Vereinigten Staaten gehört. Die Börse hat das längst gemerkt. So ist der Aktienkurs von Monsanto in den vergangenen drei Jahren um 250 Prozent gestiegen. Die Papiere von Syngenta haben sich in dieser Zeitspanne in ihrem Wert verdoppelt.

Quantität ist gefragt

Schon heute stellt Syngenta fest, dass sich der gesellschaftliche Ruf der Agrochemie vor dem Hintergrund der zu meisternden Herausforderungen erheblich verbessert hat. „Allmählich wächst auch in Europa die Einsicht, dass die Landwirtschaft nicht allein auf die Steigerung der Qualität setzen darf, sondern die Erhöhung der Menge ins Auge fassen muss“, sagt Geschäftsleitungsmitglied Robert Berendes, der bei Syngenta für Geschäftsentwicklung und Strategie zuständig ist. Selbst die Akzeptanz des Ökolandbaus gerät aus seiner Sicht ins Wanken: Energetisch schneide er eindeutig schlechter ab als die herkömmliche Nahrungsmittelproduktion. „Und ob die Qualität der Öko-Lebensmittel höher ist, kann man bei nüchterner Betrachtung durchaus bezweifeln“, sagt Berendes.

Aus seiner Sicht befindet sich die europäische Landwirtschaftspolitik in einem grundlegenden Wandel. Jahrzehntelang sei es in Brüssel wegen der hohen Überschüsse in der Produktion darum gegangen, möglichst viele Anbauflächen stillzulegen – mit der für Syngenta unangenehmen Folge, dass die Zahl der möglichen Kunden in Europa zurückging. Ein international tätiger Konzern sollte zwar in der Lage sein, Ausgleich in anderen Regionen zu suchen. Nach Berendes‘ Worten bleibt sein Unternehmen an den europäischen Rahmenbedingungen aber gleichwohl höchst interessiert. Denn noch immer bilden Deutschland und Frankreich zwei der wichtigsten vier Märkte für Syngenta. Aus diesem Grund verfolgt man die aktuelle Renaissance der europäischen Landwirtschaft und der mengenorientierten Agrarpolitik mit einer gewissen Befriedigung, wenngleich Berendes nicht verschweigt, dass er etwa bei Genehmigungsverfahren für gentechnisch veränderte Pflanzen noch großen Nachholbedarf in Europa und speziell in Deutschland sieht.

Ganzjährige Nutzung der Ackerflächen

So konzentriert sich Syngenta in Deutschland auf technologische Neuerungen jenseits der grünen Gentechnik. Als Beispiel nennt Theo Jachmann, der das Konzerngeschäft in Deutschland und Österreich leitet, die Züchtung von Zuckerrüben, die auch im Winter gedeihen und somit eine ganzjährige Nutzung der Ackerflächen ermöglichen. Ohne Hilfe von Gentechnik habe der Konzern auch erstmals Hybridraps gezüchtet, also eine Rapssorte, die sich nicht fortpflanzen kann und nach Angaben von Syngenta erheblich ertragreichere Ernten ermöglicht.

Bei der Erzeugung von Saatgut liegt Syngenta zwar noch deutlich hinter Monsanto zurück. Aus der Sicht des Schweizer Konzerns, der 2000 aus dem Zusammenschluss des Agrochemiegeschäfts der Pharmakonzerne Novartis und Astra-Zeneca hervorgegangen ist, bietet allerdings kein anderer Anbieter eine derart breite Palette von Hochtechnologie für die Landwirtschaft. So verspreche speziell die Kombination von Saatgutzüchtung und Pflanzenschutz ungeahnte Produktivitätssteigerungen, erläutert Berendes. So sei es beispielsweise in Brasilien gelungen, durch neue Sojabohnenzüchtungen in Verbindung mit dem Schutz der Pflanzen vor Schädlingen die Ausbringung um 15 Prozent zu erhöhen.

gefunden bei: FAZ

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Written by genfood

18.September.2007 um 12:29

Veröffentlicht in Allgemein

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