Monsanto

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Wahlfreiheit für Verbraucher

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Borkenwirthe. Reizthema Genmais. Um den Versuchsanbau in Borkenwirthe schwelt der Streit zwischen Gegnern der grünen Gentechnik und dem Saatgutunternehmen Monsanto. Johannes Röring, CDU-Bundestagsabgeordneter und Landwirt, äußerte sich jetzt im BZ-Interview, wie er zu dieser Kontroverse und generell zur Gentechnik steht. Die Fragen stellte BZ-Redakteur Peter Berger.

Das Bundeskabinett hat größere Mindestabstände zwischen Feldern mit gentechnisch veränderten Pflanzen und dem herkömmlichen Anbau beschlossen. Zugleich sieht der Deutsche Bauernverband in der Novellierung des Gentechnik-Gesetzes keine ausreichenden Fortschritte. Wie groß ist für Sie der Spagat als Vertreter einer Regierungspartei und als Standesvertreter der Landwirtschaft im Kreis Borken?

Röring: Sowohl als Vertreter einer Regierungspartei als auch als Repräsentant des landwirtschaftlichen Berufsstandes habe ich an das Gentechnikgesetz den Anspruch, dass es dem Produzenten und dem Konsumenten ein hohes Maß an Transparenz und Klarheit bietet. Das bedeutet für die Landwirtschaft, dass der Produzent aufgrund der rechtlichen Rahmenbedingungen die Wahlfreiheit haben muss, ob er gentechnisch veränderte Pflanzen anbauen möchte oder nicht.

Dies gilt auch für den Verbraucher, denn dieser muss weiterhin selbst entscheiden können, welches Produkt er kaufen möchte. Daher müssen alle Lebensmittel, bei denen im Herstellungsprozess gentechnisch veränderte Organismen eingesetzt wurden, klar gekennzeichnet werden.

Der Bauernverband sieht die Haftungsrisiken nicht ausreichend berücksichtigt. Wie kann sichergestellt werden, dass Landwirte, die keine gentechnisch veränderten Pflanzen anbauen, für wirtschaftliche Nachteile, die ihnen zum Beispiel durch die Verunreinigung ihrer Ernte entstehen, entschädigt werden? Was halten Sie von der Idee eines Haftungsfonds?

Röring: Grundsätzlich beurteilt der DBV kritisch, dass die angekündigte Präzisierung der Haftungsregelungen im Gentechnikgesetz unterbleiben soll. Weil die aktuelle Rechtslage nicht eindeutig klärt, wer bei Auftreten von „Verunreinigungen“ auf benachbarten Feldern haftet, wenn die gute fachliche Praxis durch den Landwirt eingehalten wurde, ist die aktuelle Regelung auch aus meiner Sicht zu kritisieren. Damit wird weder den Landwirten noch der Versicherungswirtschaft eine ausreichende Grundlage für die Kalkulierbarkeit möglicher Haftungsrisiken gewährt. Wer die gute fachliche Praxis beim Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen einhält, darf nicht mit Haftungsrisiken und Regressforderungen belastet werden.

Meiner Ansicht nach kann das Haftungsproblem umfassend durch einen Haftungsfonds gelöst werden, wobei eindeutig geklärt werden muss, wer diesen dann finanziell speist.

Ein Großteil der Bevölkerung lehnt laut Umfragen nach wie vor den Einsatz von Grüner Gentechnik in der Lebensmittelproduktion ab. Wie gehen Sie mit diesen Vorbehalten um?

Röring: Beim Einsatz der grünen Gentechnik sind im Vergleich zur roten und weißen Gentechnik in der Medizin und Chemie, die positiven Signale noch nicht so weit entwickelt. Bisher kann der Bürger den praktischen Nutzen der grünen Gentechnik nicht ohne weiteres erkennen. Man muss auch konstatieren, dass in der Öffentlichkeit eine oft sehr einseitige, nicht wissenschaftlich-fundierte Debatte geführt wird.

Fakt ist, dass wir auch heute schon sehr oft unbewusst mit der grünen Gentechnik zu tun haben. Denn die derzeitige Kennzeichnungsregelung führt den Verbraucher in die Irre. Nachdem alles, was durch den Tiermagen gegangen ist, nicht gekennzeichnet werden braucht, ebenso wenig wie gentechnisch veränderte Enzyme und Vitamine, meinen viele, dass er mit Gentechnik noch nicht in Berührung gekommen ist. Experten der Lebensmittelbranche dagegen stellen fest, dass bei konsequenter Kennzeichnung 80 Prozent unserer Lebensmittel als gentechnisch verändert auszuzeichnen wären. Daher spreche ich mich für eine offene, sehr transparente Kennzeichnungsregelung aus, damit der Verbraucher in Zukunft wirklich erkennen kann, wann er mit der grünen Gentechnik in Berührung kommt.

Die Saatgutfirma Monsanto hat in diesem Frühjahr auf die Ankündigung des Bundessortenamtes, den Testanbau in Borkenwirthe zu stoppen, damit reagiert, dass sie Nachbarflächen dazugepachtet hat, um so die geforderten größeren Mindestabstände einzuhalten. Für viele Genmais-Gegner war das eine klare Rechtsbeugung. Inwieweit spaltet Monsanto die Solidarität der heimischen Landwirtschaft?

Röring: Mit der Entscheidung Monsantos, Nachbarflächen dazuzupachten um damit einen 150-Meter-Abstand zu garantieren, wurde eine Weisung vom Auftraggeber des Versuchsanbaus, dem Bundessortenamt, korrekt umgesetzt und Restriktionsmöglichkeiten überflüssig. Eine Rechtsbeugung ist hier sicherlich auszuschließen. Ich denke auch nicht, dass Monsanto die Solidarität der Landwirtschaft spaltet. Vielmehr geht es um die Debatte der Wahlfreiheit für die Landwirtschaft und eine funktionierende Koexistenz im Anbau. Hier brauchen alle am Markt tätigen Unternehmen, die Forschungseinrichtungen und die staatlichen Behörden Partner aus der Landwirtschaft, um durch Forschung und Entwicklung aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten.

Welchen Stellenwert wird die Grüne Gentechnik in fünf Jahren im Westmünsterland haben?

Röring: Um die aktuell stark wachsenden Absatzmärkte zu bedienen, aber auch um Versorgungssicherheit garantieren zu können, brauchen wir zwangsläufig eine verbesserte Nutzung der weltweit vorhandenen Ressourcen. Hierbei kann und wird die Gentechnik eine Rolle spielen.

Als aktuelles Beispiel ist die Ausbreitung des Maiswurzelbohrers in Süddeutschland zu sehen. Dieser für den Mais extrem schädliche Käfer könnte durch den Einsatz gentechnisch veränderten Maises effektiv bekämpft werden. Das soll nicht bedeuten, dass Gentechnik ein Allheilmittel in der Pflanzenproduktion sein muss, aber ein gegebenenfalls sehr nützliches Instrument bei der Optimierung landwirtschaftlicher Erträge sein kann.

Ich rechne in fünf Jahren nicht mit dem flächendeckenden Einsatz von Gentechnik im Kreis Borken. Ich möchte aber konkret zu bedenken geben, dass in Anbetracht der steigenden Diskussion um eine Flächenkonkurrenz zwischen Energie und Nahrung eine Optimierung der Ausnutzung der knappen Ressourcen notwendig ist und genau hier kann die Gentechnik helfen.

 

Gefunden bei: Borkener Zeitung

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Written by genfood

26.September.2007 um 22:11

Veröffentlicht in Andere über..., Firmenpolitik

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