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Wem nützt die neue Technologie?

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Duell der Worte: Die Auswirkungen von gentechnisch veränderten Pflanzen auf Landwirtschaft, Umwelt und Konsumenten sind umstritten.

Braucht Landwirtschaft Gentechnik? Der KURIER bat Univ.-Prof. Josef Glößl von der Uni für Bodenkultur und den Humanökologen Univ.-Doz. Peter Weish zum Streitgespräch.

KURIER: Ist der Gentech-Zug nicht schon abgefahren?
Peter Weish: Nein, der proklamierte Siegeszug ist ausgeblieben, die Gentechniker mussten schwere Rückschläge einstecken. In manchen Gebieten Indiens gab es beachtliche Selbstmordserien unter Bauern. Die gentechnisch veränderte Baumwolle, die resistent gegen Schädlinge sein sollte und 20 bis 30 Prozent höhere Erträge hätte liefern sollen, hat versagt. Sie ist nicht gut gewachsen, es gab Ernteausfälle und die Bauern mussten zusätzlich Gift spritzen. Viele Bauern hatten sich aber mit dem Kauf des Saatgutes hoch verschuldet und sahen keine Alternative mehr zum Selbstmord.
Josef Glößl: Grundsätzlich geht es um notwendige Innovationen. Ich halte es für sinnvoll, verbesserte Pflanzensorten herzustellen, die etwa auch bei wechselnden klimatischen Bedingungen sichere Erträge bringen. Weltweit werden bereits über 100 Millionen Hektar mit gentechnisch veränderten Kulturpflanzen angebaut. In der ersten Generation dieser Pflanzen gab es jedoch auch Sorten, die nicht für jede Region geeignet waren. Neue Forschungsergebnisse lassen hingegen erwarten, dass die nächste Generation dieser Pflanzen deutlichere Vorteile für den Landwirt, die Umwelt oder die Konsumenten bringen wird – etwa Pflanzen, die weniger anfällig gegen Schädlinge oder Pflanzenkrankheiten sind.

Könnte Gentechnik auch ein Werkzeug im Kampf gegen den Klimawandel sein?
Glößl: Wir müssen vom Erdöl unabhängiger werden – und Gentechnik bietet Chancen im Bereich der Energiepflanzen und weiterer Grundstoffe für die Industrie. Eines der Ziele ist auch die Verbesserung der Widerstandskraft von Pflanzen gegen Stress. Vieles kann man sicher auch mit klassischer Züchtung erreichen – manche Eigenschaften wird man aber nur mittels Gentechnik in die Pflanzen bringen können. Wer nachhaltige Landwirtschaft will, muss herkömmliche Methoden mit neuen biotechnologischen kombinieren. Der richtige Ansatz wäre, von neuen Sorten die Eigenschaften zu bewerten und nicht ihre Entstehungsgeschichte.
Weish: Längst bevor sie noch den Zellkern verstanden haben, wollen die Gentechniker die Welt verbessern, ohne sich mit sozioökonomischen und ökologischen Fragen zu befassen. Sie vertreten die Ansicht, wenn ich aus dem Organismus A ein Gen herausnehme und in den Organismus B einpflanze, macht es dort dann dasselbe wie in Organismus A. Das ist naiv. Das ist ja der Grund des Scheiterns der Gentechnik in der „Dritten Welt“, dass eben diese Pflanzen nicht besser wachsen. Natürlich müssen wir uns – auch im Kampf gegen den Klimawandel – auf nachwachsende Rohstoffe umstellen. Aber nicht mit Gentechnik. Ein Beispiel: Wir können heute abgeholzte Landstriche wieder bewalden – da muss man aber viel von ökologischen Zusammenhängen verstehen und behutsam vorgehen. Da kann ich nicht sagen, hier hab ich den ertragreichen Super-Gen-Eukalyptus, mit dem pflastere ich alles zu.

Verbessert Gentechnik die Lebensmittelversorgung?
Weish: Gentechnik ist ein Kind einer nicht zukunftsfähigen industriellen, erdölabhängigen Landwirtschaft. Die Lebensmittelversorgung der Zukunft kann aber nur durch kleinräumige, artenreiche Systeme gesichert werden, mit einer Vielfalt lokal angepasster Kulturmethoden. Dann habe ich auch keine Probleme mit Pilzbefall, weil biologisch angebaute Pflanzen gesünder sind. Gentechnik in den Händen der Großkonzerne, die alles monopolisieren und nur an Profit denken, zerstört die Freiheit, Souveränität und Lebensfähigkeit großer Bereiche der traditionellen Landwirtschaft.
Glößl: Gerade Gentechnik kann dazu beitragen, die Artenvielfalt in einer naturnahen Landwirtschaft und die Lebensmittelsicherheit zu erhöhen – in dem mit ihrer Hilfe Saatgut so verbessert wird, dass die Pflanzen etwa weniger schädlingsanfällig sind oder mehr Nährstoffe enthalten. Der Vorwurf, man schaut nur ein Gen an, stimmt nicht mehr: Heute kann man durch die Methoden der Genomforschung eine Frage in ihrer Vielschichtigkeit beantworten, also etwa wie reagiert eine Pflanze auf einen Schädling? Weiters wird Gentechnik auch als diagnostisches Werkzeug eingesetzt, um klassische Pflanzenzüchtung zu unterstützen. Gentechnik ist auch nicht an Monokulturen oder Konzerne gebunden. Um Letzteres zu garantieren, ist es wichtig, öffentliche Forschung zu fördern.

Ist es nicht ein Problem, dass Langzeitstudien über mehrere Jahre fehlen?
Weish: Natürlich, wir sind alle Versuchskaninchen. Bereits 60-Tage-Fütterungsversuche mit Ratten und Mäusen haben krankhafte Veränderungen an Leber- und Nierenzellen gezeigt. Die Konzerne spielen das aber alles herunter. Dabei sind Tests über 60 Tage doch keine Langzeitversuche.
Glößl: Gentechnisch veränderte Lebens- und Futtermittel sind die am besten untersuchten Produkte, da in Europa sehr hohe Sicherheitsstandards existieren. Es ist kein erhöhtes Risiko im Vergleich zu herkömmlichen Produkten erwiesen.

Artikel vom 27.09.2007, 18:10 | KURIER | W. Friedl u. E. Mauritz

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Written by genfood

27.September.2007 um 18:27

Veröffentlicht in Allgemein

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