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Heute bitte keine Milch

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Welche unheimlichen Hintergründe der Boykott von genmanipulierter Milch an einer Schule in Krefeld hat und warum Gentechnik rassistisch sein kann. VON MARIE-LISA NOLTENIUS

Was ist wirklich in der Schulmilch – und ist Gentechnik im Spiel? Foto: ap

Eine Grundschule in Krefeld. Täglich verkauft die Hausmeisterin belegte Brötchen und Schulmilch an die SchülerInnen. Doch plötzlich stoppt der Verkauf von Kakao- oder Vanille-Milch. Denn die Firma Campina kann nicht garantieren, dass ihre Kühe nur natürlichen Mais als Futter bekommen. „Ich habe durch Greenpeace davon erfahren, dass unser Schulmilch-Lieferant auch Milch von Landwirten kauft, die genmanipulierten Mais verfüttern“, sagt Ulrike Huhndorf der Rheinischen Post. „Ich war entsetzt.“ Sie gibt die Information an die Eltern weiter. Seitdem sagen die Schüler: Heute keine Milch!

Das ist einer der Fälle, die wenigstens ein bisschen Licht in die Genindustrie bringen. Die Folgen von Gentechnik gehen heute viel weiter, als sich viele vorstellen können. Gentechnik kann sogar rassistische oder diskriminierende Folgen haben.

Percy Schmeiser kann ein Lied davon singen. Unbekannte durchsuchten eines Tages die Felder des kanadischen Bauern. Es waren keine Erntehelfer, Bauern oder Pestizidspritzer, sondern Gen-Detektive. Sie durchkämmten die Äcker, um nach genmanipuliertem Raps zu suchen. Und sie fanden ihn auch. Wenige Monate später flatterte bei Schmeiser eine Rechnung von 1 Million Dollar ins Haus. „Wir haben unser Land und unser Haus mit Hypotheken belastet, um die Anwälte bezahlen zu können“, sagte Percy Schmeiser.

Wieso sollte Schmeiser bezahlen? Und wofür?

Die Gen-Fahnder hatten in Schmeisers Feld Spuren von genmanipuliertem Raps gefunden. Das veränderte Saatgut war von Nachbarfeldern auf seine Felder geweht – natürlich ohne dass Schmeiser es wollte oder hätte verhindern können. Dann geschah das Ungeheuerliche. Der Konzern, der die Patente des gentechnisch behandelten Saatgutes besitzt, zog vor Gericht. Er wollte 1 Million Dollar Lizenzkosten von Schmeiser – weil der angeblich den Mais des Konzerns genutzt hatte.

Das Ziel der Gentechkonzerne ist es, alleinige Macht über bestimmte Pflanzen zu erlangen. Sie streben die Urheberrechte an einzelnen Genen und Züchtungsmethoden an. „Dieser Saatgutkonzern will die komplette Landwirtschaft kontrollieren, vom Acker bis zum Lebensmittel“, sagt Christoph Then, Patentexperte von Greenpeace. „Saatgutpatente sind der Schlüssel dazu“. Für die Bauern scheint das Versprechen von steigenden Ernteerträgen durch genmanipuliertes Saatgut attraktiv sein – es bringt aber auch Abhängigkeiten mit sich. In Indien etwa verschuldeten sich Bauern, um das vielversprechende Saatgut zu kaufen. Doch der Ernteerfolg stellte sich nicht immer ein. Die meisten Bauern konnten noch nicht mal die Unkosten wieder hereinholen. Hochverschuldet wählten mehr als 1.000 Bauern den Selbstmord als Ausweg oder verkauften eigene Organe, um ihre Familien zu ernähren. Es gibt inzwischen sogar steriles Saatgut, dass unfruchtbare Ernte produziert. Man nennt das „Terminator Technologie“, die bereits patentiert ist. Würde sie tatsächlich auf den Märkten eingeführt, dann wären die Bauern gezwungen, sich ihr Saatgut jährlich neu nachzukaufen.

Im Grunde strebt die Gentechnik offenbar Perfektion an. Entgegen der Artenvielfalt soll ein Patentrezept möglichst weltweit den Weg auf unsere Felder und in unser Essen finden. Das bedeutet, die ertragreichste, äußerlich schönste und haltbarste Frucht soll den menschlichen Bedarf allein abdecken. Nur eine Sorte soll sich durchsetzen, während die anderen verkümmern. Das ist auf seine Art auch Rassismus – gegen den man sich wehren muss.

Percy Schmeiser, der Bauer aus Kanada, machte es, indem er seinerseits den Konzern verklagte – für die Verunreinigung seiner Ernte. Vor dem obersten Gericht in Kanada wurde Percy Schmeiser schließlich von der Zahlung der Lizenzkosten freigesprochen. Allerdings musste er seine 400.000 Dollar Aufwendungen für jahrelange Prozesses selbst tragen.

Und letzten Endes gab auch das höchste kanadische Gericht den Patentansprüchen des Konzerns recht – denn auf welche Art Gene in eine höhere Lebensform kommen, sei egal. Und Monsanto hat das Eigentumsrecht daran. Das hat gravierende Folgen, denn in Kanada ist es mittlerweile nicht mehr möglich, konventionellen oder biologischen Raps anzubauen, ohne dass Spuren von Gentechnik enthalten sind. Immerhin, Percy Schmeiser hat für seinen Kampf jüngst den alternativen Nobelpreis gewonnen.

Auch die kleine Schule und die lokale Zeitung in Krefeld haben gekämpft. Sie veranstalteten eine Online-Abstimmung, ob Schüler Milch trinken sollen, die mittelbar mit Gentechnik erzeugt wurde. Vielleicht ist es an der Zeit, dass sich Schulen mit dem Thema Gentechnik in eigenen Projekten befassen – damit sie wissen, was in der Milch ist.

Marie-Lisa Noltenius (20) hat bei der Q-Rage, der bundesweiten Zeitung von Schule-ohne-Rassismus, mitgearbeitet. Sie legt am Fritz-Hensler-Berufskolleg in Dortmund ihr Fachabitur ab.

gefunden bei: TAZ

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Written by genfood

22.November.2007 um 14:02

Veröffentlicht in Firmenpolitik, Patente, Rechtsstreit

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