Monsanto

dieses Blog ist eine Waffe

»Warum leiden Bauern, die Nahrung anbauen, Hunger?«

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Biotechnologie ist keine »Wunderwaffe« gegen Unterernährung, sondern dient dem Profit der Konzerne. Ein Gespräch mit Vandana Shiva
Interview: Hubert Ostendorf

Vandana Shiva ist Quantenphysikerin, Umweltschützerin, Feministin und Bürgerrechtlerin. Kürzlich bekam die Inderin den »Blue-Planet-Award 2007« der Berliner Stiftung »ethecon« verliehen. Zuvor wurde sie bereits mit dem Alternativen Nobelpreis und dem »Global 500-Award« der Vereinten Nationen ausgezeichnet

Das Problem des Hungers ist weltweit ungelöst. Wo sehen Sie die Ursachen?
Der Hunger kommt in den Ländern des Südens ausgerechnet in bäuerlichen Gegenden vermehrt vor, also dort, wo Menschen Nahrungsmittel anbauen. Das ist doch absurd. Wie kann es sein, daß Bauern, die Nahrung anbauen, Hunger leiden? Sie geraten in eine Lage, die es ihnen nicht ermöglicht, ihre eigenen Nahrungsmittel für sich und ihre Familien zu behalten. Die Ursachen liegen in der Abhängigkeit von Saatgut, Düngemitteln und Pestiziden, die die Agroindustrie ihnen für teueres Geld verkauft. Dies führt nicht nur zu Hunger, sondern auch zur Zerstörung der Natur. Tausende von Bauern bringen sich selbst um, weil die Schuldenlast sie erdrückt. Ich weiß auch von einigen, die ihre Frau oder Kinder verkauft haben, andere haben eine Niere verkauft.

Manche sagen, die Gentechnik könne den Hunger bekämpfen.
Das ist falsch. Auf dem offiziellen Welternährungsgipfel der Vereinten Nationen in Rom 2002 wurde die Biotechnologie sogar als Wunderwaffe gegen den Hunger propagiert. In Wahrheit dient sie aber nur dem Geschäft von Konzernen wie Monsanto und Nestlé.

Warum wird die Gentechnik dann nicht geächtet?
Die US-Regierung und auch andere ignorieren frühere Vereinbarungen zur Bekämpfung des Hungers. Ein Grund sind personelle Verflechtungen: Viele Regierungsmitglieder waren zuvor bei Konzernen beschäftigt. Das ist eine Gefahr für die Demokratie.

Welche Argumente sprechen gegen die Biotechnologie?
Sie bietet überhaupt keinen Ansatzpunkt im Kampf gegen den Hunger in der Welt. Es wird etwa behauptet, dadurch käme es zu höheren Erträgen in der Landwirtschaft. Das ist aber schlicht falsch. Gentechnisch veränderte Nutzpflanzen verbessern nirgendwo auf der Erde die Ernten der Bauern und bringen die Kleinbauern in eine wirtschaftliche Abhängigkeit von den Konzernen. Eine Greenpeace-Studie über die Landwirtschaft in Argentinien beweist sogar, daß sich die Ernteerträge durch Gentechnik verringern. Gleichzeitig steigt der Verbrauch an gefährlichen Pestiziden und teuren Düngemitteln.

Also alles nur eine Frage des Profites?
Ja, leider. Die armen Länder sind ein riesiger Absatzmarkt für die Produkte der Agroindustrie. Die Konzerne pressen unseren Bauern Lizenzgebühren ab, Geld für patentierte Samen, Dünger und Pestizide. Zugleich bestimmen die Weltbank und der Internationale Währungsfonds die Bedingungen für den Außenhandel. Die indische Bevölkerung etwa bezahlt für das eigene Getreide doppelt so viel wie die nördlichen Importeure. Also verhungern meine Landsleute, weil ihnen die Nahrungsmittel verwehrt werden, die sie selbst produzieren.

Was muß geschehen?
Die Regierungen des Nordens sollten dafür sorgen, daß die Konzerne sich aus der Nahrungsmittelproduktion heraushalten. Außerdem müssen wir verhindern, daß diese Unternehmen gentechnische Pflanzen anbauen. Sie tun dies oft ohne rechtliche Regelungen und schaffen damit Tatsachen. Wir brauchen ein neues System der Nachhaltigkeit. Schlüsselfragen müssen sein: Wie nutzt man den Boden am besten, was ist am gesündesten, was ist gerecht, wie nutzen wir die Artenvielfalt am besten?

Ein besonderes Problem ist die Privatisierung.
Ja. Nehmen Sie zum Beispiel das Wasser. Wo die Versorgung damit von großen Konzernen privatisiert wurde, ist es um das Zehnfache teurer geworden. Und diese horrenden Summen lassen sich mit den von der Weltbank diktierten Dumpingpreisen für Lebensmittel nicht wieder einfahren. Hinzu kommt, daß das ganze ungerechte System auch noch mit öffentlichen Mitteln subventioniert wird. Wir müssen unbedingt dafür kämpfen, daß dieses öffentliche Geld – also unser Geld – in die ökologische Landwirtschaft der Kleinbauern fließt. Außerdem hoffe ich, daß die europäische Bevölkerung sich gegen die Einfuhr gentechnisch belasteter Nahrungsmittel zur Wehr setzen wird.

gefunden bei: Junge Welt

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Written by genfood

27.November.2007 um 9:17

Veröffentlicht in Andere über..., Patente

Eine Antwort

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  1. Monsanto wird die Erde alleine vernichten, dazu braucht es keinen Umweltschutz und Klimawandel. Monsanto vernichtet das Leben !

    Peter m

    12.Februar.2008 at 1:01


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