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Bt-Toxin: Jeder Mais ist anders – aber ist das ein Problem?

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Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz, Abteilung Phytomedizin, Biotechnologischer Pflanzenschutz in Neustadt / Weinstraße. Seine Arbeitsgruppe hat im Rahmen eines mehrjährigen Forschungsprojektes Bt-Toxin-Gehalte in Maispflanzen gemessen. Auch wenn sich EU-Kommissar Dimas und Greenpeace auf seine Ergebnisse berufen – deren Schlussfolgerungen kann er nicht nachvollziehen.

Der Gehalt an Bt-Toxin in gentechnisch verändertem Bt-Mais ist keine statische Größe. Er kann unterschiedlich ausfallen, je nach Pflanze, Pflanzenteil und Anbaustandort. Aber lässt sich daraus ein Umweltrisiko ableiten? EU-Umweltkommissar Dimas sieht darin -unter anderem – einen Grund, zwei Bt-Maislinien die Zulassung versagen. Und auch eine neue Greenpeace-Studie schlägt in dieselbe Kerbe.

„Gen-Mais kann nicht kontrolliert werden.“ Mit markigen Worten präsentierte Greenpeace Ende November ein neues Gutachten. Im Auftrag der Umweltaktivisten hatte das Schweizer Unternehmen EcoStrat erneut die Gehalte von Bt-Toxin in Maispflanzen gemessen. Wie schon bei der ersten Untersuchung zeigten sich Unterschiede – auch wenn sie nun deutlich geringer ausfielen. Diesmal wurden zwei verschiedene Messmethoden eingesetzt. Je nach Verfahren ermittelte EcoStrat unterschiedliche Bt-Werte. Es fehle an „verlässlichen Messmethoden“, so Greenpeace, damit sei eine „wesentliche Voraussetzung für die Risikobewertung von Gen-Pflanzen“ nicht erfüllt. Der Anbau von „Gen-Mais“ müsse daher verboten werden.

Bt-Mais: In den Blättern mehr Bt-Toxin als in den Körnern.

Auch in der Empfehlung von EU-Umweltkommissar Stavros Dimas, die beiden Bt-Maislinien Bt11 und 1507 nicht für den Anbau zuzulassen, spielt die Frage des Bt-Gehalts eine Rolle. „Neuere Untersuchungen“, so heißt es in Dimas Entwurf des Beschlusstextes, zeigen eine hohe Variation der Bt-Toxin-Konzentrationen sowohl zwischen Pflanzen eines Feldes als auch statistisch signifikante Unterschiede zwischen verschiedenen Standorten.“ Da die Gründe für diese Unterschiede nicht geklärt seien, könnte es, so Dimas, „zu unvorhergesehene Wechselwirkungen mit der Umwelt“ und damit zu unerwünschten Effekten kommen.

Dr. Johannes Jehle vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum in Rheinland-Pfalz hatte in einem vom BMBF geförderte Sicherheitsforschungsprojekt die Bt-Toxin-Gehalte in Maispflanzen untersucht und herausgefunden, dass die Bt-Expression in Abhängigkeit des untersuchten Pflanzenorgans, der Entwicklungsstadien, des Standortes und damit der Witterung schwankt. Zwar sind viele dieser Unterschiede statistisch signifikant, doch in einem Gespräch mit bioSicherheit im Mai 2007 erläuterte Jehle, dass sich daraus keine neuen Zweifel an der Sicherheitsbewertung von Bt-Mais (MON810) ableiten ließen. “ Auf der Basis unserer Daten sahen wir hierfür keinen Grund, da sich die Schwankungen in einem biologisch erklärbaren, natürlichen Rahmen befanden.“

Anlass für das Gespräch mit Jehle war die Veröffentlichung der ersten Greenpeace-Studie über Bt-Toxin-Gehalt in Maispflanzen. Aktivisten hatten 2006 auf verschiedenen Feldern in Deutschland und Spanien Proben entnommen und untersuchen lassen. In den Ergebnissen zeigten sich große Schwankungen. Die im Auftrag von Greenpeace gemessenen Werte lagen in der Regel jedoch unter dem vom Hersteller Monsanto angegebenen Wert, auf den sich die „offiziellen“ Risikobewertungen beziehen.

„Es gibt keine verlässliche Meßmethode.“

Erneut hat Greenpeace bei EcoStrat Bt-Maispflanzen untersuchen lassen, die von Aktivisten im Juni 2007 auf Feldern in Deutschland „eingesammelt“ worden waren. Die Bt-Toxin-Gehalte der Pflanzenproben wurden nun mit zwei verschieden Methoden untersucht. Bei beiden handelt es sich um einen ELISA-Test , bei dem das Bt-Protein mittels Antikörpern nachgewiesen wird. Bei einem Nachweis wird ein kommerziell erhältlicher Test eingesetzt, der andere entspricht weitgehend dem von Monsanto verwendeten Verfahren. Das Unternehmen hatte 1994 die damit gefundenen Bt-Toxin-Werte im Mais MON810 veröffentlicht.

Die Ergebnisse unterschieden sich je nach Verfahren – für Greenpeace der Beweis, dass es „keine verlässliche Messmethode“ gebe und daher der Anbau von Bt-Mais verboten werden müsse. Allerdings – die Ergebnisse sind differenziert und lassen vorschnelle Schlüsse kaum zu.

  • Die Schwankungsbreite der EcoStrat-Ergebnisse ist für die Maispflanzen aus 2007 deutlich geringer als bei denen aus 2006. Sie stimmen nun mit der von Jehle und seiner Arbeitsgruppe gefundenen Schwankungsbreite überein.
  • Die 2007 von EcoStrat gemessenen Werte liegen deutlich über denen, die dasselbe Labor 2006 ermittelt hat. Die Gründe dafür werden nicht genannt.
  • In der Regel liegen die mit der kommerziellen Methode ermittelten Werte über denen, die das an Monsanto orientierte Verfahren liefert. Die Unterschiede zwischen beiden Verfahren sind jedoch nicht einheitlich: Bei Proben von der Blatt-Unterseite und den Körnern sind die nach der kommerziellen Methode gefundenen Werte höher, bewegen sich aber in einem „biologisch erklärbaren Rahmen.“ Bei Proben aus der Blatt-Oberseite und dem Stängel liefert die Monsanto-Methode sogar höhere Werte. Aus Sicht von Johannes Jehle zeigt sich hier, dass beide Methoden „konsistent und vergleichbar“ sind.
  • Auffällig sind die Unterschiede nur bei Proben aus dem Wurzelbereich. Hier liegen die mit der kommerziellen Methode ermittelten Ergebnisse im Schnitt doppelt so hoch. Auch diese Abweichungen sind für Jehle nicht ungewöhnlich.
  • Monsanto gibt für den Bt-Mais MON810 einen durchschnittlichen Bt-Toxin-Gehalt von 9,4 ?g/Gramm Frischgewicht an. In den Körnern und im Stängel liegen die 2007 von EcoStrat ermittelten Werte deutlich darunter, bei Proben aus dem Wurzelbereich bewegen sich die Ergebnisse um den von Monsanto angegebenen Wert. Bt-Toxin-Werte über der 9,4-Marke hat EcoStrat dagegen in Proben aus den Blättern der Maispflanzen gemessen. Insgesamt liegen die von Greenpeace veröffentlichten Bt-Toxin-Gehalte in dem Bereich, wie der von Monsanto angegeben wird und der Grundlage der Sicherheitsbewertungen ist.

Anders als für andere Transgene gibt es für das Bt-Toxin noch keine standardisierte Messmethode. Unterschiede etwa bei der Extraktionsmethode und den verwendeten Vergleichstandards zur Proteinbestimmung führen zu abweichenden Ergebnissen, die sich mit den natürlichen Schwankungen des Bt-Toxin-Gehalts in den Pflanzen überlagern. Experten wie Johannes Jehle sind mit diesem Problem vertraut. Ein Sicherheitsrisiko sehen sie darin jedoch nicht.

gefunden bei:Bio Sicherheit

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Written by genfood

5.Dezember.2007 um 17:36

Veröffentlicht in EU-Behörden, Zulassungen

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