Monsanto

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Eine Schlappe für den Saatgutmulti – erstmal

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Paris verbietet Monsanto-Mais, obwohl die Regierung den Anbau eigentlich will / SPD macht Druck auf Minister Seehofer
VON S. BRÄNDLE, S. BÖRNECKE UND M. BERGIUS

Eigentlich ist die französische Regierung ja für den Anbau von Genmais. Wohl deshalb ließ sie am Freitagabend erst nach den Fernsehnachrichten und nur in dürren Worten wissen, dass sie bis auf weiteres den Anbau der Marke Mon 810 untersage – in der Hoffnung, das Thema schlafe über das Wochenende ein. In Frankreich wurde bisher auf 22 000 Hektar der Genmais des US-Konzerns Monsanto angebaut, nicht ganz ein Prozent der Nutzfläche.

Paris beruft sich auf eine EU-Schutzklausel, die Ländern einen Genmais-Stopp erlaubt, wenn sie „ernsthafte Zweifel“ an der allgemeinen Verträglichkeit wissenschaftlich begründen können. In Paris kam ein Ausschuss vergangene Woche zu dem Schluss, dass genmodifizierte Organismen wie Mon 810 negative Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt haben könnten. Präsident Nicolas Sarkozy hatte bereits erklärt, dass er sich dem Befund anschließen werde. Eine Minderheit der Experten wollte allerdings das Gutachten nicht mittragen.

Greenpeace begrüßte den Beschluss; Globalisierungsgegner José Bové unterbrach einen Hungerstreik, mit dem er seit Tagen für ein Genmais-Verbot Druck machte. Dagegen bezeichnete sich der große Bauernverband FNSEA, der für Genmais-Anbau eintritt, als „konsterniert“. Der Fraktionschef von Sarkozys Regierungspartei UMP, Bernard Accoyer, sprach gar von einem „Ketzerprozess“ gegen die Genforschung.

Sein Parteifreund, Premier François Fillon, sagte am Montag, er zähle „nicht zu den Genmais-Gegnern“. Die „Zukunft der Menschheit“ werde nicht durch „weniger Wissenschaft“ besser. Er ließ durchblicken, die Entscheidung gegen Mon 810 sei aus politischen Gründen gefallen: Teil eines Kompromisses, den die Regierung mit Umweltorganisationen im Herbst erzielt hatte. Im März stehen Kommunalwahlen an; das Regierungslager ist in der Defensive und will sich nicht mit dem laut Umfragen unpopulären Genmais schaden. Nach den Wahlen könnte der Beschluss also wanken. Fillon erklärte bereits, das Parlament werde sich noch dazu äußern.

Nach dem französischen Stopp gerät Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) unter Handlungsdruck. Er betreibe einen „inakzeptablen Zick-Zack-Kurs“, sagte SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber am Montag der FR: „Er soll dem Beispiel Frankreichs folgen und endlich ein klares Verbot des Anbaus von Mon 810 anordnen.“ Der Umwelt- und Agrarexperte der SPD verwies auf Probleme, die mit der „minimalen“ Überwachungspraxis des US-Saatgutmultis Monsanto „in keiner Weise zu beheben sind“. Das Seehofer unterstehende Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hatte Mon 810 vor einem Jahr in die Nähe einer Risikokultur gerückt und ein Handelsverbot über die Saat verhängt – aber bald wieder aufgehoben.

Das Amt verwies beim Verbot auf Untersuchungen, wonach das Gift im Mais nicht nur Schädlinge, sondern auch Organismen trifft, die zum Teil in der natürlichen Schädlingsbekämpfung von Bedeutung sind. Wie weit der Einfluss auf zum Teil geschützte Insekten geht, sei nur sehr schlecht und allein im Labor untersucht. Das Monitoring, das Monsanto vorgeschrieben wurde, reiche nicht aus, bemängelt das SPD-Umweltminister Sigmar Gabriel unterstehende Bundesamt für Naturschutz.

gefunden bei: Frankfurter Rundschau

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Written by genfood

15.Januar.2008 um 10:55

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