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Neue Regeln für die Gen-Bauern

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Der Bundestag will am Freitag das umstrittene Gentechnik-Gesetz ändern. Damit soll die praktische Anwendung der Gentechnik in der Landwirtschaft neu geregelt werden. Neun Thesen zur Versachlichung einer hitzigen Debatte

zwei Jahre haben Union und SPD über den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen gestritten. Kritikern sind die nun vereinbarten Regeln nicht restriktiv genug. Befürworter kritisieren, sie würden Erforschung und Nutzung der grünen Gentechnik behindern.

Die EU macht strenge Vorgaben für den Umgang mit grüner Gentechnik – vom wissenschaftlichen Freisetzungsversuch bis zur Überwachung des kommerziellen Anbaus. Die schwierige Aufgabe, das Nebeneinander von konventioneller Landwirtschaft und Gen-Anbau zu regeln, überlässt die EU-Kommission den Mitgliedstaaten. Das Problem ist die Frage der Haftung. Agrarminister Horst Seehofer (CSU) belässt die Regelung von seiner Vorgängerin Renate Künast (Grüne), die sich am Nachbarschaftsrecht orientiert. Seehofer stützt sich bei dieser Entscheidung auf die Einschätzung führender Verfassungsrechtler, wonach es unter den gegebenen Umständen keine bessere Lösung gibt.

Danach muss ein Gen-Bauer haften, wenn Gen-Pollen die Felder eines konventionell wirtschaftenden Nachbarn verunreinigen und er seine Ernte nicht mehr zum marktüblichen Preis verkaufen kann. Kann kein Verursacher identifiziert werden, müssen alle infrage kommenden Bauern für den Schaden aufkommen. Um Auskreuzungen zu vermeiden, werden im Gentechnik-Gesetz erstmals Sicherheitsabstände festgeschrieben. Zu konventionellen Feldern müssen Gen-Bauern 150 Meter Abstand halten, zum Ökolandbau muss der Abstand sogar 300 Meter betragen. Ziel ist es, Konflikte gar nicht erst entstehen zu lassen. Bauernpräsident Gerd Sonnleitner rät dennoch: Hände weg vom Gen-Anbau.

Würde sich der Gen-Anbau strikt abschotten lassen, wäre das Gentechnik-Gesetz überflüssig. Wie alle Pflanzenpollen werden auch Gen-Pollen vom Wind verbreitet. So kann es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu Auskreuzungen kommen, die zu wirtschaftlichen Einbußen führen können und damit eine Klärung der Haftung notwendig machen. Ein völlig unbeeinflusstes Nebeneinander von Gen-Anbau und konventionellem Landbau ist also auf Dauer nicht möglich, weil sich Pflanzen langsam doch vermischen. Das weiß auch der Gesetzgeber. Daher hat die EU für die Kennzeichnungspflicht von Gen-Produkten eine Toleranz von 0,9 Prozent eingeräumt: Erst wenn ein Gen-Anteil von 0,9 Prozent am Gesamtprodukt überschritten wird, muss gekennzeichnet werden – Lebensmittel ebenso wie Futtermittel. Andernfalls drohen Geldbußen oder sogar Haftstrafen. Dieses Risiko scheuen viele Bauern.

In Deutschland wurde im vergangenen Jahr auf 2700 Hektar Gen-Mais angebaut. Das sind 0,15 Prozent der gesamten Maisanbaufläche. Die Gen-Saat ist deutlich teurer als konventionelles Mais-Saatgut. Der Anbau von Gen-Mais lohnt sich für Bauern nur dort, wo ein starker Befall mit dem Maiszünsler droht, etwa im Oderbruch oder im Rheintalgraben. Der kleine Falter legt seine Eier an der Unterseite der Maisblätter ab. Seine Larven fressen sich durch die ganze Pflanze und können zu erheblichen Qualitätseinbußen und Ernteausfällen führen. Es sei vor allem eine betriebswirtschaftliche Überlegung, Gen-Mais anzubauen, sagt Landwirt Harald Nitschke aus Ramin in Mecklenburg-Vorpommern.

Der Gen-Mais erzeugt sein eigenes Pestizid, um sich vor dem Maiszünsler zu schützen. Das ist möglich, weil in das Erbgut der Pflanze ein Bakterien-Gen eingeschleust wurde. Dieses Gen steuert die Produktion eines Gifts. Dieses sogenannte Bt-Toxin wird auch im ökologischen Landbau eingesetzt. Ein wärmeres Klima begünstigt die Ausbreitung des Maiszünslers.

Mitte der 90er-Jahre hatte Brüssel erstmals Gen-Mais und Gen-Soja für den Import und den Anbau in der Europäischen Union zugelassen. Im Jahr 1998 begann ein Moratorium, das im Mai 2004 mit der Importgenehmigung für einen gentechnisch veränderten Süßmais aufgehoben wurde. Die USA, Kanada und Argentinien hatten sich bei der Genfer Welthandelsorganisation WTO beschwert, dass die EU ihren Markt für Importe gentechnisch veränderter Produkte quasi abgeschottet hatte. Inzwischen sind Gen-Futtermittel wie Soja, Mais und Zuckerrüben zugelassen.

Der Anbau von Gen-Pflanzen beschränkt sich auf Futtermais in Spanien, Frankreich, Portugal und Tschechien. Die Anbaufläche stieg 2007 auf 110 000 Hektar; das sind 0,1 Prozent der weltweiten Anbauflächen für Gen-Pflanzen. Europa ist also quasi ein weißer Fleck auf der Weltkarte des Gen-Anbaus. BASF hat in Brüssel jetzt den Antrag auf Zulassung der Gen-Kartoffel „Amflora“ gestellt. Die Kartoffel ist für die industrielle Gewinnung von Stärke vorgesehen. Sie wurde gentechnisch so verändert, dass sie leichter zu verarbeiten ist. „Amflora“ ist in Deutschland für den Erprobungsanbau zugelassen. Es dürfen auf 155 Hektar maximal 45 000 Knollen ausgebracht werden.

Den Weltmarkt für gentechnisch verändertes Saatgut dominiert die US-Biotechfirma Monsanto mit rund 90 Prozent. Monsanto entwickelte den Gen-Mais MON 810, den auch andere Firmen für ihre Gen-Sorten nutzen. In Deutschland hat das Bundessortenamt seit 2006 insgesamt fünf MON-810-Sorten für den kommerziellen Anbau zugelassen, drei weitere Sorten stehen jetzt zur Zulassung an.

Weltweit werden bereits auf einer Fläche von mehr als 100 Millionen Hektar Gen-Pflanzen angebaut, vor allem in den USA, Argentinien, Brasilien, Kanada, Indien und China. Angebaut werden gentechnisch veränderte Soja- und Maispflanzen, aber auch Raps und Baumwolle. Auf rund der Hälfte der Fläche wächst Gen-Soja. Sie ist resistent gegen ein bestimmtes Herbizid, was vor allem arbeitstechnische Erleichterungen für den Landwirt bringt und am Ende Kosten sparen kann. Die US-Bauern bauen zu 90 Prozent Gen-Soja an, in Argentinien wächst fast nur noch Gen-Soja. Die Bauern hätten oft keine andere Wahl mehr, sagt Ulrike Brendel von Greenpeace. Ihre Kritik richtet sich gegen die Marktmacht der internationalen Agrokonzerne. Es könne nicht sein, dass einige Unternehmen bestimmen, was die Landwirte anbauen.

In rund 90 Prozent aller Futtermittel für Rinder, Schweine und Geflügel sind heute Gen-Anteile enthalten. Die EU-Länder führen jährlich allein rund 40 Millionen Tonnen Sojarohstoffe ein. Sie stammen vor allem aus Ländern, in denen großflächig Gen-Soja angebaut wird. Nur in Brasilien wird noch in größerem Umfang konventionelle Soja angebaut. Soja ist die wichtigste Energiepflanze weltweit. Auch deutsche Bauern können kaum auf Gen-Futtermittel verzichten. Eine Alternative wäre aus Schlachtabfällen gewonnenes Tiermehl. Doch seit der BSE-Krise darf Tiermehl in der EU nicht mehr verfüttert werden. Es wird stattdessen verbrannt.
Auch Futterzusatzstoffe wie Enzyme und Vitamine werden mithilfe von gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt. Das Gentechnik-Gesetz legt nun neue Regeln zur Kennzeichnung „ohne Gentechnik“ für Fleisch, Milch, Eier oder andere tierische Produkte vor. Sie dürfen das Etikett nur tragen, wenn die Tiere kein Gen-Futter erhalten haben. Es dürfen aber Gen-Zusatzstoffe verwendet werden, wenn keine anderen Produkte erhältlich sind. Verbraucherschützer begrüßen die Regelung. FDP-Agrarexpertin Christel Happach-Kasan spricht dagegen von „Verbrauchertäuschung“.

Schokoriegel mit Erdnusskrokant klingt eigentlich ganz schmackhaft. Doch der „Butterfinger“ von Nestlé floppte Ende der 90er-Jahre auf dem deutschen Markt, weil er Zucker aus Gen-Mais enthielt. Die Mehrheit der deutschen Verbraucher lehnt Gentechnik in Nahrungsmitteln ab. Schon der Zusatz „Gen“ erzeugt Unbehagen. Dabei gibt es bislang keine Hinweise auf gesundheitliche Schäden durch den Verzehr gentechnisch veränderter Organismen (GVO) oder Produkte, die mithilfe von GVO hergestellt wurden. Alle Lebensmittel mit gentechnisch veränderten Inhaltsstoffen müssen in der EU eine strenges Zulassungsverfahren durchlaufen.
Seit dem 18. April 2004 müssen alle Lebensmittel gekennzeichnet werden, die gentechnisch veränderte Zutaten enthalten oder mithilfe von gentechnisch veränderten Organismen hergestellt wurden. So schreibt es Brüssel in einer entsprechenden EU-Verordnung vor.

Wenn etwa Schokolade oder Pudding gentechnisch veränderte Sojalecithin oder Stärke aus Gen-Mais enthalten, muss dies in der Zutatenliste auf der Verpackung vermerkt sein. Die Verbraucher haben damit die Möglichkeit, zwischen Gen-Produkten und Gen-freien Waren zu wählen. Diese Wahlfreiheit erlaubt es dem Bürger, das persönliche Risiko zu bestimmen. Das hilft, Ängste abzubauen.

Ob ein Schwein mit Gen-Soja gefüttert wurde, schmeckt der Verbraucher beim Verzehr des Schnitzels nicht. Ob Sojaöl aus einer Gen-Pflanze gepresst wurde, lässt sich auch mit modernsten Analysemethoden im Endprodukt nicht mehr nachweisen. Auch das Gen-Vitamin ist von einem herkömmlichen Vitamin nicht zu unterscheiden. Wenn sich die Verbraucher im Supermarkt für oder gegen Gentechnik in Lebensmitteln entscheiden, entscheiden sie sich vor allem für oder gegen eine bestimmte Produktionsweise in der Landwirtschaft.

gefunden bei: Die Welt

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Written by genfood

22.Januar.2008 um 11:22

Veröffentlicht in Allgemein, Forschung, Patente, Zulassungen

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