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Gentechnik kontra Artenvielfalt

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NABU-Studie: Ausreichender Sicherheitsabstand zu Schutzgebieten erforderlich
Von Wolfgang Ewert
Ökologisch sensible Gebiete vertragen sich mit Gentechnik-Pflanzen in der unmittelbaren Nachbarschaft nicht gut. Das jedenfalls legt eine vom Landesumweltamt Brandenburg in Auftrag gegebene Studie nahe, die am vergangenen Freitag im Rahmen eines Workshops zum Monitoring von Gen-Mais MON 810 in Berlin vorgestellt wurde.

Der Termin war sicher Zufall, der Dissens nicht: Parallel zu dem Workshop passierte die Novelle des Gentechnikgesetzes den Bundesrat. Bereits im März soll es in Kraft treten. Darin sind für den Gentech-Maisanbau erstmals Sicherheitsabstände zu Nachbarfeldern festgelegt. Nur, wie weit fliegt der Pollen tatsächlich?

Um die Eignung von Methoden zum Pollen-Monitoring zu untersuchen, kamen im Sommer des vergangenen Jahres im und am Naturschutzgebiet Ruhlsdorfer Bruch (Märkisch-Oderland) Pollensammler zum Einsatz. Mit technischen Systemen sollte ermittelt werden, ob der Wind Maispollen eventuell bis in die Kernzone des Schutzgebiets trägt. Und mit Honigbienen wollte man herauszufinden, in welchem Ausmaß die Maisfelder von Insekten aus dem Schutzgebiet heraus aufgesucht werden. Damit wollte man wissenschaftlich begründete Sicherheitsabstände für den Gentech-Maisanbau, vor allem zum Schutz seltener Schmetterlingsarten, ermitteln.

Die Ergebnisse zeigen einen erheblichen Eintrag von Maispollen – in hohem Maße auch vom genmanipulierten Mais MON 810 – über eine Entfernung von 120 Metern bis weit hinein ins Schutzgebiet. Die Skepsis der Feldbesetzer war offenbar begründet.

Die großflächig angebaute Gentech-Maissorte MON 810 enthält ein Bakteriengift, das die Raupe des Maiszünslers, einer Schmetterlingsart, tötet. Die Wirkung auf andere Nicht-Ziel-Arten, vor allem Schmetterlinge, ist nicht bekannt. Trotz dieser Unwägbarkeiten wird MON 810 deutschlandweit auf über 4350 Hektar angebaut, fast die Hälfte davon in Brandenburg. Vor diesem Hintergrund fordert der NABU für Naturschutzgebiete einen Mindestabstand von 1000 Metern zu Gen-Feldern, um Gefährdungen durch genmanipulierte Pflanzen dort vorzubeugen.

Mit dem Gentechnikgesetz ist die Rechtslage allerdings eine andere. Vorgeschrieben sind nur 150-Meter-Abstände von Gen-Äckern zu konventionellen Flächen und 300 Meter zu Öko-Feldern. Abstandsregelungen zu Schutzgebieten bestehen nicht, es sei denn, es gelingt der eindeutige Nachweis, dass eine erhebliche Gefährdung bestimmter Arten gegeben ist. Eine Brandenburger Initiative, 800 Meter Abstand zu Schutzgebieten vorzusehen, fand in den Ausschüssen des Bundesrates keine Mehrheit. »Es ist ein Skandal, dass das Gentechnikgesetz den Schutz ökologisch sensibler Gebiete vollständig ausspart«, so NABU-Präsident Olaf Tschimpke, der in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung der NATURA-2000-Gebiete für die Artenvielfalt verweist. Er hofft jetzt auf das Land Brandenburg, das Rahmenbedingungen für Abstandsregelungen zu wertvollen Schutzgebieten entwickeln will – auf freiwilliger Basis.

gefunden bei: Neues Deutschland

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Written by genfood

18.Februar.2008 um 12:29

Veröffentlicht in Allgemein, Zulassungen

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