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Weizenmangel stellt grüne Ziele in Frage

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Der Mangel an Weizen stellt die amerikanischen Farmer vor ein Dilemma: Wollen sie höhere Ernten einbringen, gefährden sie anerkannte Grundsätze der nachhaltigen Produktion.

Konfiseriewaren in Europa, Nudeln in China, Fladenbrot in Afrika – das dafür Mehl stammt wahrscheinlich aus Nordamerika. Die Farmer im Mittleren Westen gehören zu produktivsten der Welt, obwohl der Weizenanbau weniger lohnend ist als der mit Subventionen geförderte Anbau von Mais für die Gewinnung von Agrotreibstoff. «Die Weizenpflanzer stehen unter starkem Druck, nicht nur wegen der Ethanolherstellung», sagt Mark Ash, Ökonom beim US-Landwirtschaftsministerium. «Sie müssen ihre Erträge steigern, weil vor allem die ärmeren Länder auf ihren Weizen angewiesen sind.»
Dieser Druck hat bedenkliche Entwicklungen in Gang gesetzt. Zum ersten Mal seit 1985 Jahren haben die Bauern ökologische Ausgleichsflächen aus dem Schutzprogramm zurückgezogen und für den Anbau bereitgestellt. Und zum ersten Mal überhaupt hat der Dachverband der Weizenproduzenten den Widerstand gegen gentechnisch veränderten Weizen aufgegeben und die Industrie ermuntert, die 2004 eingestellte Forschung an Gentechweizen wieder aufzunehmen.

Bauern verschulden sich wie 1980
Zu diesen Umweltproblemen kommt eine wirtschaftliche Ungewissheit. Der Preis für ackerfähiges Land ist wegen der starken Nachfrage so stark gestiegen, dass sich Bauern verschulden, um weitere Anbauflächen zu kaufen. Ältere Bauern warnen vor einer Krise wie in den frühen 80er-Jahren, als die US-Landwirtschaft nach einem Boom wie heute unter die Räder geriet. Rund 300 lokale, auf die Landwirtschaft spezialisierte Kreditinstitute gingen Konkurs. «Ich hoffe, dass sich die Leute noch an die 80er-Jahre erinnern», sagt Harlan Meier, ein 76-jähriger Getreidebauer in Davenport (Iowa). «Ich gehe davon aus, dass sie sich vorsichtig verhalten, wenn es darum geht zu investieren.»

Statt sich zu verschulden versuchen tausende Bauern, mehr Land zu beackern. Im Herbst war die Vertragsverlängerung für fünf Millionen Acres (etwa zwei Millionen Hektaren) geschütztes Land fällig; das brach gelegen hatte und für das die Bauern ökologische Ausgleichszahlungen bezogen. Doch nur noch die Hälfte der Verträge wurde verlängert, knapp eine Million Hektaren zogen die Bauern aus dem Schutzprogramm ab und bereiten es für die Wintersaat vor. Die Zeiten hätten sich geändert, sagte Kerry Dockter, ein Farmer in Denhoff (North Dakota) der «New York Times»: «Als das Programm startete, war es eine gute Sache. Aber die Entschädigungen können nicht mehr mit den Marktpreisen Schritt halten.» Das Schutzprogramm war nach der Agrarkrise von 1985 in Gang gesetzt worden und hat es erlaubt, 15 Millionen Hektaren unter Schutz zu stellen. 440 000 Betriebe im Mittleren Westen beziehen dafür vom Staat rund 1,8 Milliarden Dollar. Es ist das grösste Öko-Schutzprojekt der USA, das von den Bauern wegen des stetigen Einkommens geschätzt und den Jägern und Umweltschützern unterstützt wurde.
Der Druck geht noch weiter. Die verarbeitende Industrie und die Viehmäster fordern, zusätzlich mehr als 3,5 Millionen Hektaren zur Beackerung freizugeben, ohne die Bauern wegen der vorzeitigen Vertragsauflösung zu büssen. Die Frage sei simpel, sagt der Dachverband der Rindermäster: «Ist es richtig, dass die Konsumenten zweimal zahlen, zuerst für die Subventionen und dann für teurere Nahrungsmittel, nur damit es mehr Wachteln in Kansas gibt?» Die konservativen Weizenproduzenten halten dem Druck bisher stand und warnen, dass die Nachfrage nachlassen könnte und die Preise umso stärker sinken müssten, je mehr Land für den Anbau freigegeben wurde.
Wie stark die kritische Lage auf dem globalen Markt die US-Produzenten noch zu Konzessionen zwingen wird, ist nach Ansicht des Landwirtschaftsministeriums nicht abzusehen. Mark Ash meint, dass der Staat wohl oder übel die Ausgleichszahlungen anheben und den Marktpreisen für Weizen angleichen muss. «Wir müssen die Entschädigungen erhöhen, wenn wir nicht noch mehr Öko-Flächen verlieren wollen. Das letzte, was wir wollen, ist ein Rückschlag der Umweltfortschritte der letzten Jahrzehnte.» Ash weist darauf hin, dass ein Teil der Subventionsempfänger nicht aktive Bauern sind, sondern Landbesitzer aus der Stadt oder Farmer im Ruhestand. Zu hoffen ist deshalb, sagen auch Umweltschutzverbände, dass sich die Absetzbewegung mindestens verlangsamt.

Neustart für Gentechweizen
Doch aus gleicher Optik plädieren einige Experten für den Einsatz von Gentech-Weizen. Monsanto stellte die Forschung 2004 ein, weil es zu viel Widerstand gab. Dafür forcierte die Branche die Gentechnik für Soja, Raps, Baumwolle und Mais; mit dem Effekt, dass die USA heute die Hälfte des weltweiten Anbaugebietes für Gentechsaaten aufweisen. Die US Wheat Association, die staatlich geförderte Exportförderorganisation, hat eine Kehrtwende vollzogen und Firmen wie Monsanto und Syngenta ermuntert, die Forschung an Gentechweizen wieder aufzunehmen, um die Ernten zu steigern.
Die USA sind nicht das einzige Land, wo Weizen in zwei Saaten ausgebracht und industriell geerntet werden kann. Australien, Kanada, Argentinien, die Ukraine und Kasachstan sind ebenfalls bedeutende Anbauländer. Trotzdem sind die USA für die Ernährungssicherheit der Welt wichtiger. Hier werden sämtlichen Sorten angebaut, was deswegen wichtig ist, weil Europa anderen, proteinhaltigeren Hartweizen wünscht, während Asien und Afrika eher leichteren Weichweizen braucht. Die Farmer liefern alle Sorten mit grosser Zuverlässigkeit. Sie führen über die Hälfte der Ernte aus, womit sie einen Viertel des weltweiten Bedarfs decken.

Wie immer die US-Farmer entscheiden, recht machen können sie es eigentlich niemandem. Entweder sie kaufen mehr Land dazu, um mehr Weizen zu pflanzen; doch damit könnten sie sich finanziell ruinieren wie 1980. Oder sie beackern ökologische Ausgleichsflächen, womit sie ihre Grundsätze über Bord werfen und umweltbewusste Konsumenten verärgern. Oder sie steigern die Erntemengen, indem sie auf die Gentechnik setzen. Doch damit gefährden sie die Exporte nach Europa. Es erstaunt deshalb nicht, wenn viele auf den stark subventionierten Mais- und Sojaanbau umstellen. Das alles lässt nur einen Schluss zu: Brot, Teigwaren, und Gebäcke aller Art werden teurer und für die Ärmsten beinahe unerschwinglich.

gefunden bei: Tages Anzeiger (Ch)

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Written by genfood

27.April.2008 um 12:48

Eine Antwort

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