Monsanto

dieses Blog ist eine Waffe

„Umwelt vor Schaden bewahren“

leave a comment »

Hamburg (DK) Mit einem Eilantrag beim Braunschweiger Verwaltungsgericht wollen die Umweltorganisation Greenpeace und zahlreiche Imker den Anbau des Genmais MON810 in Deutschland stoppen. Das Saatgut des US-Großkonzerns Monsanto ist umstritten, mehrere europäische Länder haben den Anbau verboten. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hatte den Handel im Frühjahr 2007 verboten, im Dezember jedoch wieder zugelassen, nachdem der Agrarkonzern einen Umweltbeobachtungsplan vorgelegt hatte. Dieser wurde jedoch vom Bund Naturschutz und anderen Umweltorganisationen als nicht fundiert genug kritisiert. Greenpeace wirft Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) nun vor, mit der erneuten Zulassung "den Weg für den Genmais in Deutschland geebnet" zu haben. Für Barbara Kamradt von Greenpeace ein "unverantwortliches Handeln". Mit der Gentechnik-Expertin hat unsere Redakteurin Katrin Fehr gesprochen.

Gibt es denn schon Reaktionen auf Ihren Eilantrag vom 2. Mai
Kamradt: Bisher noch nicht. Das Gericht prüft den Antrag.

Was sind die konkreten Kritikpunkte gegenüber Seehofer und dem BVL
Kamradt: Dass ihnen der völlig unzureichende Beobachtungsplan von Monsanto ausgereicht hat, um den Handel mit MON810 wieder zuzulassen. Im Frühjahr befürchtete die Behörde noch, dass der Anbau von MON810 eine Gefahr für die Umwelt darstelle. Ein von uns in Auftrag gegebenes wissenschaftliches Gutachten belegt, dass der Plan von Monsanto auf belanglosen Angaben und falschen Daten basiert. Er enthält keine Beweise dafür, dass MON810 unschädlich ist und keine Gefahr für die Umwelt darstellt. Entweder haben die Mitarbeiter von Horst Seehofer all diese Unzulänglichkeiten nicht bemerkt, oder sie haben sie wissentlich ignoriert. Nun müssen die Gerichte tätig werden, um die Umwelt vor Schaden zu bewahren.

Das BVL und Horst Seehofer haben dem Monitoring von Monsanto Glauben geschenkt. Was hat Ihre Studie darüber konkret ergeben
Kamradt: Monsanto gibt 32 angebliche Feldstudien an. Bei zwölf Angaben handelt es sich allerdings nicht um Feldstudien, und fünf weitere untersuchen Gen-Baumwolle. Sechs Studien untersuchen Ökosysteme, Tierarten und landwirtschaftliche Räume außerhalb Europas. Die Erkenntnisse lassen sich kaum auf die heimischen Ökosysteme übertragen. Außerdem werden mögliche Schäden bei anderen Tierarten wie Vögeln, Schmetterlingen, Wasserlebewesen oder auch Bienen nicht berücksichtigt. Monsanto schließt daraus, dass es keine Gefahr gibt, und es deshalb auch keine gezielte Überwachung geben muss. Stattdessen gibt es einen sehr allgemeinen Fragebogen für Landwirte, der keine Auskünfte zu möglichen Auswirkungen des Genmais auf die Umwelt geben kann, ergänzt durch die Auswertung von Daten bestimmter Umweltüberwachungsprogramme, auch Netzwerke genannt, die jedoch nicht auf die Beobachtung der Auswirkung von Genpflanzen ausgerichtet sind. Einige der Träger dieser Programme haben sich klar von diesem Plan distanziert.

Kann es sich Monsanto leisten, Ergebnisse von angeblichen Feldstudien abzuliefern
Kamradt: Bei der derzeitigen Prüfungspraxis kann sich Monsanto das offensichtlich politisch leisten. Deshalb gehen wir nun gerichtlich gegen den Anbau vor. MON810 steht in der EU auch zur Wiederzulassung an. Dann wird sich zeigen, ob die Behörden weiterhin so lax mit der Sicherheit der Umwelt umgehen. Auf der Grundlage neuerer Erkenntnisse darf dieser Genmais nicht wieder zugelassen werden. Erst vor zwei Tagen hat die EU Komission zwei ähnlichen Genmais-Pflanzen die Zulassung verweigert und sie zur erneuten Prüfung an die Europäische Sicherheitsbehörde EFSA zurückgewiesen. Die Prüfungsstandards sind allerdings bislang völlig unzureichend.

Welche Gefahren befürchten Sie durch den Anbau von MON810
Kamradt: Dieser Mais produziert sein eigenes Insektengift, das sogenannte BT-Gift, das auf einen Maisschädling, den Maiszünsler, tödlich wirken soll. Das BT-Gift wird in allen Pflanzenteilen und auch Pollen produziert und permanent an die Umwelt abgegeben – über den Pollen auch über weite Strecken. Er birgt daher Gefahren für die Umwelt. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass sich der Genmais negativ auf Tiere wie Bienen, Schmetterlinge, Spinnen, Schlupfwespen und Florfliegen sowie auf Bodenorganismen wie Regenwürmer auswirken kann.

Was werden Sie tun, wenn dem Eilantrag nicht stattgegeben wird?
Kamradt: Wir werden überlegen, ob wir ins Hauptsacheverfahren gehen. Wir werden weiter gegen den Anbau vorgehen. Wir haben stichhaltige Argumente. Tatsache ist doch, dass es viele offene Fragen gibt. Und je länger man hinschaut, um so mehr Fragen tun sich auf.

Donaukurier

Advertisements

Written by genfood

10.Mai.2008 um 14:29

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: