Monsanto

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Die reine Lehre?

with one comment

Wie das Unkräutermorden einfach und schnell funktioniert, verriet Ute Woltron vor kurzem an dieser Stelle

Vor zwei Wochen haben wir an dieser Stelle über ein Unkrautvernichtungsmittel berichtet, das – auch unter seinen Kritikern – als jenes gilt, das von allen diesen Mitteln noch das geringste Übel darstellt. Wir haben nicht vergessen, darauf hinzuweisen, dass es tunlichst nur in sparsamster Form zur Anwendung kommen sollte, weil es ohnehin seit den 70er-Jahren auf Milliarden von Quadratkilometern weltweit von der Landwirtschaft verspritzt wird.

Zu all diesen Aussagen stehen wir nach wie vor. Was wir nicht geschrieben haben – und hiermit ganz bewusst nachholen – ist der Umstand, dass dieses Mittel vom weitenteils übel beleumundeten US-amerikanischen Chemie- und Agrarkonzern Monsanto produziert wird, also einem Multi, der auf allen Bösewichterlisten der Umweltorganisationen ganz weit oben steht.

Das hat ein paar der kritischeren Leser einigermaßen aufgeregt. Wahrscheinlich zu Recht. Weshalb wir diesen wichtigen aufklärerischen Geistern diesen Platz hier widmen, um die Tatsache nachzuberichten.

Marktdurchdringungsmethoden

Monsanto ist tatsächlich, wie wir an anderer Stelle im Standard übrigens wiederholt geschrieben haben, mit Vorsicht zu genießen, da seine weltweiten Marktdurchdringungsmethoden in Sachen Saatgut, Pestizide und andere Gifte aller Art keineswegs durchsichtig sind.

So weit der Nachtrag zum Round-up-Grünzeug der Vorwoche. Jeder soll selbst entscheiden, ob er oder sie nun dieses von einer unsympathischen Firma stammende Produkt kauft, einsetzt oder nicht. Nichtsdestotrotz haben wir hier einen interessanten Punkt der Debatte erreicht, und zwar jenen der reinen Lehre gegen den der Verhältnismäßigkeit. Denn auch wenn wir ohne Unkrauttod unser Auslangen finden, was vergleichsweise einfach ist: Wie handelt jeder Einzelne, jede Einzelne von uns in dieser irren Welt?

Essen wir im Winter Erdbeeren, wissend, dass sie quer über den Kontinent transportiert wurden? Kaufen wir in Giftbädern gewaschene Bananen anderer, ebenfalls ausnehmend übler Megakonzerne? Wer hat die T-Shirts genäht, die nicht erst seit gestern so praktisch billig zu haben sind und von denen die meisten von uns sowieso viel zu viele unnötigerweise besitzen? Rauchen wir die chemisch behandelten Tabakprodukte einschlägiger Großkonzerne?

Bewusster Mittelweg

Und weiter: Müssen wir tatsächlich sieben Tage pro Woche Fleisch und Wurst essen und damit einen der widerlichsten und erwiesenermaßen umweltschädigendsten Agrarzweige dauersubventionieren? Kommen wir um südafrikanische Apfelimporte nicht umhin, während hierzulande im Herbst die Äpfel am Feldesrand verfaulen? Wen schädigen wir aber, wenn wir sie nicht kaufen? Südafrikanische Kleinbauern oder börsennotierte Großkonzerne?

Apropos: Ist es in Ordnung, diese schönen Rosen zu kaufen, die neuerdings auch im Supermarkt angeboten werden? Die kommen zum Großteil aus Chile, wo sie quasi großindustriell produziert werden. Mit extrem viel Gifteinsatz übrigens, was man nicht nur den Händen der Rosenarbeiterinnen ansieht. Was geschieht mit diesen Frauen aber, wenn wir brave Umweltschützer entrüstet den Boykott ausrufen und diese Industrie zum Kippen bringen? Eilen wir dann nach Chile und bauen ein neues Business auf, damit Kinder satt werden? Tun wir das wirklich?

Oder bleibt uns letztlich gar nichts anderes übrig, als einen bewussten Mittelweg in allen Lebenslagen zu versuchen, weil das Eis überall dünn und glatt ist? Nochmals: Besagtes Unkrautmittel gilt auch unter den eingefleischten Gegnern seines Produzenten als das noch geringste Unkrautvernichtungsübel. Und ja, man kann auch locker ohne es gärtnern. Aber der Faktor Verhältnismäßigkeit sollte in derlei Debatten nicht aus dem Blickwinkel geraten, und die Terminologie besser nicht in Radikalgefilde abgleiten.

(Ute Woltron/Der Standard/rondo/23/05/2008)

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Written by genfood

24.Mai.2008 um 18:22

Eine Antwort

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  1. Sehr geehrte Frau Woltron,

    Das Fazit ihrer Kolumne “ Die reine Lehre“ hat mich doch etwas erschreckt. Natürlich ist es in unserer heutigen Welt schwierig ständig bewusst „ethisch korrekt“ einzukaufen. Wir sind, wie Sie ja richtig beschreiben, umgeben von Produkten von denen wir ja zum Teil auch wissen unter welchen sehr fragwürdigen Umständen sie hergestellt und geliefert werden. Nur bin ich nicht einverstanden mit dem von Ihnen beschriebenen Mittelweg, der ja nichts anderes heisst als letztendlich doch diese Produkte zu kaufen da, ich zitiere Sie, „das Eis überall dünn und glatt ist“. Ich meine nicht, dass man hier von „Radikalgefilden“ sprechen kann, wenn jeder Einzelne versucht die Welt ein Stückchen besser zu machen. Das Wort Radikal ist in unserer westlichen Welt sowieso unpassend in Hinblick darauf, wie wenig die Leute wirklich darüber nachdenken was sie einkaufen und wie sie die Welt damit mitformen.
    Schade, dass Sie letztendlich nur die Apathie vorschlagen versteckt hinter dem doch sehr feigen Faktor Verhältnismäßigkeit. Statt dessen hätten Sie zum Beispiel darauf hinweisen können, dass der Einzelne tatsächlich etwas gegen unfaire und unethische Unternehmen ausrichten kann. Ich empfehle Ihnen zu diesem Zwecke das Schwarzbuch Markenfirmen von Klaus Werner und Hans Weiss welches eindrucksvoll aufzeigt, dass mit gezieltem Öffentlichkeitsdruck Unternehmen sehr wohl zu einem Umdenken bewegt werden können. Beschwerden und Proteste von KonsumentInnen sind zum Beispiel ein Weg die Unternehmen unter Druck zu setzen. Boykott des Einzelnen alleine dagegen ist meistens eher nicht erfolgsversprechend. Der von Ihnen beschriebene Fall, dass durch den Boykott die Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren ist also somit eher unwahrscheinlich, und erst recht nicht das Ziel von Kampagnen. Im Gegenteil, jedoch muss die Arbeit unter fairen Arbeitsbedingungen geleistet werden. Eine gesundheitliche Gefährdung der Arbeitnehmer ist strengstens abzulehnen sowie ausbeutende Löhne. Auch hier kann der Öffentlichkeitsdruck anhand von Protesten und Beschwerden erfolgreich eine Verbesserung herbeiführen.
    Es gibt viele Wege sich zu engagieren und sich dafür einzusetzen, dass Unternehmen im Sinne der KonsumentInnen handeln, denn das ist ein wichtiger Punkt, die meisten KonsumentInnen würden es begrüßen ethisch korrekte und fair gehandelte Waren zu kaufen. Ein Umdenken in diese Richtung bei den KonsumentInnen hat also schon eingesetzt (man denke an den Anstieg der Fair Trade Produkte)
    Jegliches Engagment und Handeln in diese Richtung ist zu begrüßen und ganz sicher nicht als Radikal abzustempeln.

    sophia

    28.Mai.2008 at 1:17


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