Monsanto

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Archive for the ‘Firmenpolitik’ Category

Monsanto-Vorwurf: Bauernverband wehrt sich

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Ebersberg – Energisch widersprochen hat gestern der Bayerische Bauernverband der Behauptung, der Verband habe sich auf der Grünen Woche in Berlin einen ,,Erlebnisbauernhof von der Firma Monsanto sponsern lassen".

Das war von Bauern kolportiert worden, die am Dienstag im Rahmen einer Demonstration vor dem Ebersberger Landwirtschaftsamt ihre Mitgliedschaft kündigten. ,,Monsanto war kein Aussteller des Erlebnisbauernhofes auf der Grünen Woche und wird dies auch 2009 nicht sein. Es wurden keine Sponsorengelder an den Bauernverband bezahlt", teilte Pressesprecherin Brigitte Scholz mit. Eine ausgetretene Ortsbäuerin meinte dazu gestern: ,,Das haben wir auch nie behauptet."

Der Erlebnisbauernhof auf der Grünen Woche in Berlin feiert heuer zehnjähriges Bestehen und wird von einem Verein ,,gemeinsam mit Partnern durchgeführt, deren Zusammenarbeit nicht immer selbstverständlich war und ist". Das ist auf der Internetseite des ,,Fördervereins für nachhaltige Landwirtschaft" zu lesen. Vorsitzender dieses Fördervereins ist der Präsident des Bayerischen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner. In einer Stellungnahme des Bauernverbandes heißt es: ,,Der Bayerische und der Deutsche Bauernverband arbeiten auf keiner Ebene mit der Firma Monsanto zusammen."

Eine Sprecherin des Fördervereins bestätigte gestern aber auf Anfrage der Ebersberger Zeitung, dass auch die Firma Monsanto zu den Vereinsmitgliedern gehört.

gefunden bei: Merkur online, Ebersberger Zeitung

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Written by genfood

27.Juli.2008 at 10:04

Veröffentlicht in Allgemein, Andere über..., Firmenpolitik

Gen-Mais in Österreich nun verboten

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Wien (24.7.08): Das österreichische Gesundheitsministerium verbietet nun per Erlass den Import von Gen-Mais.

Die Umweltorganisation Greenpeace zeigt sich über die Verordnung der Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky entzückt: Mit 16. Juli wurde ein Importverbot für den Gentech-Mais MON863 erlassen.

„Nach den jüngsten Verboten von drei gentechnisch veränderten Rapssorten katapultiert sich Österreich mit dem Verbot des Skandal-Mais‘ MON863 wieder an die Speerspitze der gentechnik-kritischen EU-Länder“, freut sich Steffen Nichtenberger, Gentechnik-Experte bei Greenpeace.

Der österreichische Erlass kann nun einen möglichen politischen Rückenwind für die Eu-Staaten Dänemark und Luxemburg liefern, wo gleichfalls über ein Verbot des Gentech-Mais MON863 debattiert wird.

Österreich hält nun bei sieben Verboten von in der EU zugelassenen Gentech-Pflanzen. Neben MON863-Mais und den drei Rapslinien Ms8, Rf3 und Ms8xRf3 ist auch der Anbau der Gentech-Maissorten MON810 und T25 sowie der Import der gentechnisch veränderten Rapssorte GT73 verboten.

Der Gentech-Mais MON 863 des US-Agrar-Konzerns Monsanto sorgte bereits im Mai 2004 für Schlagzeilen: Die französische Zeitung Le Monde berichtete, dass Ratten, die mit MON863 – ein Mais mit eingebautem Insektengift gefüttert wurden, deutliche Veränderungen im Blutbild und mögliche Organschäden aufwiesen. Im Januar 2006 ließ die EU-Kommission den Gentech-Mais trotz aller wissenschaftlichen Kontroversen für den europäischen Markt als Lebens- und Futtermittel zu. Grundlage dafür war eine positive wissenschaftliche Bewertung der EFSA, die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit.

Greenpeace und französische Wissenschaftler veröffentlichen im März 2007 die erste unabhängige Auswertung der Fütterungsversuche mit MON863. Die wissenschaftliche Studie zeigt, dass die Ratten tatsächlich an Nieren und Leber geschädigt wurden.

„Der Fall MON863 zeigt wie skrupellos Biotech-Konzerne wie Monsanto agieren, um ihre Gentech-Konstrukte zur Zulassung zu bringen. Selbst potenzielle Schäden für Tier, Mensch und Umwelt werden offenbar in Kauf genommen“, so Nichtenberger.

gefunden bei: Glokalist Medien

Written by genfood

27.Juli.2008 at 9:47

Antigentech-Kundgebung in Bad Freienwalde

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Am 22. Juli letzen Jahres gelang es GentechnikgegnerInnen bei Altreetz im Oderbruch 5 Hektar Genmais unschädlich zu machen. Da diese Feldbefreiung öffentlich angekündigt war, wurden die meisten beteiligten GentechnikgegnerInnen nach der Aktion in Gewahrsam genommen.

Am 18.7. finden am Amtsgericht Bad Freienwalde der vierte und fünfte Prozess in dieser Sache statt. Bisher wurden die Angeklagten wegen Sachbeschädigung zu 15 bzw. 20 Tagessätzen verurteilt.

Ein Verfahren gegen Monsanto, Landwirtschaftsminister Seehofer und den Altreetzer Genbauern wegen illegalen Genmaisanbau ist dagegen von der Staatsanwaltschaft eingestellt worden. Deswegen werden wir um 10:30 Uhr auf dem Marktplatz vor dem Rathaus eine Gerichtsverhandlung gegen Monsanto initieren. Hauptanklagepunkt: Diebstahl. Monsanto wird vorgeworfen sich das Saatgut, gezüchtet von den BäuerInnen über zehntausende Jahre anzueignen, in dem das Saatgut gentechnisch manipuliert, patentiert und unkontrolliert in Natur und Landwirtschaft verbreitet wird.

Anschließend geht es zu den öffentlich zugänglichen Gerichtsprozessen, die um 11:15 Uhr und 12:15 Uhr beginnen sollen.

Quelle: Barnimer Aktionsbündnis gegen Gentechnik

Written by genfood

18.Juli.2008 at 9:23

Veröffentlicht in Allgemein, Firmenpolitik, Rechtsstreit

Das Schwein im Patentamt

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Greenpeace warnt vor einer Monopolisierung der Nutztierzucht
VON STEPHAN BÖRNECKE

Wem gehört das Schwein? Für Bauern-, Entwicklungs- und Umweltorganisationen ist das keine Frage: dem Landwirt. Für die Multis unter den Tierzuchtkonzernen aber ist diese Antwort nicht mehr stimmig. Für sie werden Wissen und Kontrolle über die Genom-Daten der Nutztierrassen von Rind, Schwein und Geflügel immer interessanter. Sie melden deshalb reihenweise Patente an.

Die Konzerne wollen über Lizenzen ihr Geld verdienen. Bauern fürchten hingegen nicht nur einen dramatischen Verlust der Artenvielfalt der landwirtschaftlichen Nutztierrassen und auch der Nutzpflanzen. Sie fürchten auch, in die Abhängigkeit der Konzerne zu geraten.Jüngstes Beispiel: Mitte der Woche erteilte das Europäische Patentamt in München einem Zuchtverfahren der US-amerikanischen Firma Newsham Choice Genetics ein Patent auf ein Zuchtverfahren für Schweine. Bei diesem Patent geht es nicht um transgene Tiere, auch nicht um die Patentierung von Schweinen, sondern um eine genotypische Analyse. Mit einem speziellen Verfahren wird nach bestimmten Merkmalen gesucht, die helfen, die Fleischproduktion einer Schweineherde zu steigern. Organisationen wie Greenpeace befürchten, dass dieses Patent zum „Türöffner einer weitgehenden Monopolisierung der Tierzucht in Europa werden kann“.

Das Patent, gegen das nun neun Monate Einspruch eingelegt werden kann, was Greenpeace prompt tat, war ursprünglich vom US-Agromulti Monsanto beantragt worden. Monsanto, eigentlich auf Saatgut und nicht auf Tiere spezialisiert, rückt auch bei Nutztierrassen in die kleine Gruppe jener global agierenden Firmen auf, die mit Zuchtmaterial für Rinder, Schweine und Hühner handeln. Tatsächlich, bestätigt der Sprecher des Patentamtes, Rainer Osterwalder, habe Monsanto zunächst ein wesentlich weitreichenderes Patent beansprucht: Der Konzern wollte sich sämtliche Schweine und deren Nachkommen schützen lassen, die mit Hilfe des jetzt patentierten Verfahrens auf die Welt kommen. Er hätte für jedes Schwein eine Lizenzgebühr kassiert. Dies habe ihm das Patentamt versagt, weil es sich im vorliegenden Fall um natürliche Mutationen handle, die, da nicht neu, auch nicht patentierbar seien.

Greenpeace vermutet trotzdem problematische Folgen: Da die mit dem Verfahren gezüchteten Schweine sich von anderen nicht unterschieden, könnten die Patentinhaber versuchen, Ansprüche „gegenüber Landwirten auch einfach auf Verdacht durchsetzen“. Die müssten sich dann „vor Gericht zur Wehr setzen“.

gefunden bei: Frankfurter Rundschau

Written by genfood

18.Juli.2008 at 9:21

Veröffentlicht in Allgemein, Firmenpolitik, Forschung, Patente

Google löscht Gentechnik-Film

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Eine kritische Arte-Doku über die Machenschaften der Gentechnik-Firma Monsanto ist von Google und Youtube aus deren Videoangebot gelöscht worden. VON LEONIE ROOS

Monsanto tötet meine Gesundheit" steht auf dem Plakat dieser Pariser Demonstrantin. Foto: rtr

BERLIN taz Eine kritische Arte-Dokumentation über den US-amerikanischen Gentechnik-Riesen Monsanto ist von Google und YouTube verschwunden. Der Film „Monsanto – Mit Gift und Genen“ der französischen Journalistin Marie Monique Robin wurde Anfang des Jahres auf Arte ausgestrahlt. Google hat den zweistündigen Film, der auf GoogleVideo online zur Verfügung stand, anscheinend gelöscht. Spekulationen zufolge geschah dies auf Druck der kanadischen Filmgesellschaft. Auch von YouTube wurde der Film entfernt. Eine Erklärung für die Entfernung des Filmes gab es bisher von keiner der beiden Firmen. An einer Verletzung des Urheberrechts scheint es aber nicht gelegen zu haben, da YouTube in solchen Fällen auf der Seite des entfernten Videos einen diesbezüglichen Hinweis schaltet.

Das US-amerikanische Unternehmen Monsanto hält das Monopol auf dem Gebiet der Biotechnologie. 90 Prozent der weltweit angebauten gentechnisch veränderten Pflanzen sind von Monsanto patentiert. Das Unternehmen ist mit 45.000 Angestellten und einem Jahresumsatz von acht Milliarden Dollar einer der mächtigsten Samenhersteller der Welt.

MON 810, der einzige Genmais, der bisher in Deutschland angebaut werden durfte, stammt ebenfalls aus dem Hause Monsanto. In der Vergangenheit hatte die Firma das Herbizid Agent Orange hergestellt, das von der US-Armee im Vietnamkrieg eingesetzt wurde. Das Mittel ist heute als chemischer Kampfstoff klassifiziert.

Robins Film arbeitet mit bisher unveröffentlichten Dokumenten und Stellungnahmen von Wissenschaftlern, Vertretern von Bürgerinitiativen, Politikern sowie Vertretern der staatlichen Food and Drug Administration (FDA) der USA. Die Verbreitung genmanipulierter Pflanzen, so die Journalistin Robin, sei ihrer Meinung nach nur „durch Manipulation und Intrigen“möglich gewesen. Der weltweiten Zulassung der patentierten Pflanzen hätten „keine ernst zunehmenden wissenschaftlichen Tests“ zugrunde gelegen. Inzwischen ist der Film wieder bei Genfood abrufbar.

gefunden bei: TAZ

Written by genfood

4.Juli.2008 at 17:50

Veröffentlicht in Allgemein, Firmenpolitik

„Mit Gift und Genen“ – Und wer ist Monsanto?

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Artikel vom 30. Mai 2008 zum Thema mit dem Video von Arte und anschließendem Studiogespräch

Greifswald Am 4. Juli wird ab 21 Uhr zur Filmveranstaltung „Mit Gift und Genen“ – Und wer ist Monsanto? ins Ikuwo, Goethestraße 1, eingeladen.

Dieser Dokumentarfilm beleuchtet die Machenschaften des weltgrößten Saatgut/AgrarChemie-Konzerns Monsanto. Mit einem Umsatz von 8,6 Mrd. US Dollar und Gewinn von 933 Mio. US-Dollar (2007) stellt der Konzern unter anderem Pflanzenschutzmittel und (gentechnisch verändertes) Saatgut her. 90 Prozent der gentechnisch veränderten Pflanzen der Welt sind von Monsanto hergestellt. Dazu gehören gentechnisch veränderte Soja- und Baumwollsorten, die gegen das Totalherbizid Roundup resistent sind. Die einzige hierzulande großflächig angebaute gentechnisch veränderte Pflanzensorte, der Mais MON 810 stammt ebenfalls aus den Laboren Monsantos. Dessen nicht genug. Verantwortlich ist Monsanto ebenfalls für die Herstellung des im Vietnamkrieg eingesetzten chemischen Kampfstoffes Agent Orange (enthält Dioxine) und des Rinderwachstumshormons rBGH.

Wenn Du es genauer wissen willst, komm zum Filmabend ins Ikuwo. Der Eintritt ist frei. Auf sehr umfangreiche und anschauliche Art und Weise dokumentiert der Film „Mit Gift und Genen“ das weltweite Wirken von Monsanto. Organisiert wird der Abend von der agriKultur Gruppe Greifswald mit Unterstützung des Fachschaftsrates Biowissenschaften der Universität. Bei Fragen melden unter: agrikultur-hgw@no-log.org

gefunden bei: Ostsee Zeitung

Written by genfood

3.Juli.2008 at 18:40

Interview mit Percy Schmeiser*

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"Monsanto ist die betrügerischste und korrupteste Firma, die es zur Zeit auf der Erde gibt"

Der große deutsche Bauernaufstand im Jahre 1524-1525 in Süd- und Mitteldeutschland hatte seine Ursache in den Abhängigkeitsverhältnissen der Bauern von den Feudalherren. Immer höhere und neue Abgaben und die Leibeigenschaft machten das Leben der Bauern zur Qual. Schließlich begehrten die Bauern auf und zogen in den Krieg. Mr. Schmeiser, sehen Sie Monsanto als einen neuen globalen Feudalherren und mögliche Ursache neuer Bauernaufstände, da durch die Geschäftspraktiken Monsantos in Form von Lizenzabgaben, Knebelverträgen und Abhängigkeiten von dessen Saatgut der Bauernstand immer mehr unter Druck gesetzt wird? Quasi die Einführung einer neuen, modernen Leibeigenschaft?

Percy Schmeiser: Bei meinen Veranstaltungen in Kanada erzähle ich gern, dass meine Großeltern – und viele andere Menschen – in den 1890er Jahren aus Europa weggegangen sind, um aus den Abhängigkeitsverhältnissen des Feudalsystems, das die Gewalt über ihr Schicksal hatte, herauszukommen. Sie zogen in ein neues Land, um frei zu sein, um hier ihre Pflanzen anzubauen und zu züchten, in Freiheit. Jetzt, 100 Jahre später, schließt sich der Kreis wieder. Die Herrschaft wird jetzt nicht von Fürsten oder dem Feudalsystem ausgeübt, sondern von Firmen. Und tatsächlich kommt jetzt auch massiver Widerstand unter den Landwirten auf – für die Redefreiheit und für die Freiheit, ihr eigenes Saatgut jedes Jahr wieder verwenden zu können.

Im Monsanto-Konzern arbeiten 17.000 Menschen. Können Sie sich vorstellen, dass mehr und mehr dieser MitarbeiterInnen die Geschäftspraktiken ihres Arbeitgebers zutiefst ablehnen, weil sie immer mehr das Gefühl bekommen, Monsanto fügt dem Planeten mehr Schaden als Nutzen zu?

Es wird jetzt viel über die Geschäftspraktiken von Monsanto und über das Image des Konzerns in der Öffentlichkeit gesprochen. Sogar die kanadische Nationalzeitung stellte letzte Woche die Frage: Was denkt sich der Monsanto-Konzern eigentlich, was er für ein Image von sich erzeugt, wenn er versucht, die Rechte der Landwirte einzuschränken und ihnen die Redefreiheit zu untersagen oder wegzunehmen? Meiner Meinung nach – und viele andere Leute meinen das auch – ist Monsanto die betrügerischste und korrupteste Firma, die es zur Zeit auf der Erde gibt.

Und was würden Sie diesen Leuten, den Mitarbeitern von Monsanto, gern sagen?

Ich frage mich oft, was in diesen Mitarbeitern eigentlich wirklich vorgeht. Viele von ihnen haben Familien, viele machen sich Gedanken über die Nahrungsmittel, die sie zu sich nehmen und die sie ihren Kindern geben. Und es war schon so, dass Leute, die früher für Monsanto gearbeitet haben, zu mir kamen und sagten, sie machten sich Sorgen wegen der Geschäftspraktiken von Monsanto. Einige Monsanto-Mitarbeiter sagten auch, sie könnten nicht mehr für Monsanto arbeiten. Und einige von diesen Angestellten ließen mir sogar vertrauliche Papiere zu den Aktivitäten von Monsanto zukommen. So weit ging ihre Empfindung, dass das, was Monsanto tut, Unrecht ist.

Was müsste ihrer Meinung nach passieren, damit Monsanto seine lebensfeindlichen Geschäftspraktiken aufgibt und Teil der Lösung wird, anstatt Teil des Problems zu bleiben?

Ich meine, es ist für jede Firma möglich, ein "anständiges Mitglied der Gesellschaft" zu werden. Aber sie müssen sich mit den Angestellten zusammensetzen, mit Verbrauchern zusammensetzen, mit der Öffentlichkeit zusammensetzen und eine Politik machen, die allgemein akzeptabel ist. Nicht einfach ihre eigene Politik machen nach dem Motto "so oder gar nicht". Sie müssen also empfänglich werden für die Sorgen und Bedenken der Menschen, besonders im Interesse guter und sicherer Nahrungsmittel. Und ich bin der Meinung, es ist möglich – aber nicht so, wie sie jetzt verfahren, indem sie die totale Kontrolle über das Angebot an Saatgut anstreben. Und darum geht es im Grunde: die totale Kontrolle über das Saatgut und letztlich über das Angebot an Nahrungsmitteln. Es ist sehr ungewöhnlich, dass die Firma Monsanto, die früher einer der größten Hersteller von Chemikalien war, jetzt zur größten Saatgutfirma der Welt geworden ist. Und das zeigt, wie sie die Kontrolle über die Menschen erreichen wollen. Ich saß ja mal im Parlament meiner Heimatprovinz. Wie ich es sehe, übt Monsanto jetzt mehr Macht über die Menschen aus, als irgendeine Regierung das überhaupt wagen würde, aufgrund ihrer Firmenstärke und des Geldes, das dahinter steht. Es handelt sich wirklich um einen Missbrauch von Marktmacht.

Wenn wir hinschauen, wem Monsanto gehört, dann sind die größten Anteilseigner Investmentfirmen wie Fidelity Management & Research mit 9,76 %, Marsico Capital Management L.L.C. mit 5,17 %, AllianceBernstein L.P. mit 4,04 % oder auch Firmen wie die deutsche Allianz Global Investors mit ihren Anlagefonds. Die Shareholder und Manager dieser Investmenthäuser haben auch Kinder und Enkelkinder. Was würden Sie diesen Menschen sagen, damit sie noch einmal über ihre Investments in Monsanto nachdenken?

Bei meinen Veranstaltungen waren immer mal wieder Leute aus diesem Industriebereich anwesend. Und sie stellten sehr gezielte Fragen. Ich antwortete ihnen immer: Sie haben doch eine Familie. Machen Sie sich denn keine Gedanken darüber, was Sie Ihrer Familie zu essen geben, Ihren Kindern, Ihrer Frau? Und als ich das sagte, gaben sie meist keine Antwort mehr, sondern setzen sich einfach wieder. Diese Leute wissen selbst, dass es um den ganzen Themenkomplex von Nahrung und Sicherheit von Nahrungsmitteln und um die Kontrolle über die Menschen geht. Ich meine, dass viele der Beteiligten darüber selbst sehr besorgt sind. Aber sie verdrängen das, sie versuchen das zu handhaben, als ob es eine Art anderes Leben wäre. Das funktioniert aber nicht, denn wenn sie nach Hause kommen, werden sie wieder mit dem wirklichen Leben konfrontiert. Es fällt mir schwer, diese Leute zu verstehen, denn man kann das, was man tut, nicht wirklich trennen, es wirkt sich auch auf das persönliche Leben aus. Ich selbst könnte das nie tun: für eine Firma zu arbeiten, von der ich weiß, das sie den Menschen ihre Rechte nimmt. Damit könnte ich nicht leben. Vielleicht wäre es sogar gut, wenn viele Bürger Anteile an Monsanto erwerben würden und zu den Monsanto-Hauptversammlungen gingen und eine andere Politik hineinbrächten.

Haben Sie Kenntnis, ob Monsanto zum militärisch-industriellen Komplex der USA gehört?

Da gibt es eine Drehtür. Nicht nur in den Vereinigten Staaten, auch in Kanada gibt es Leute, die zuerst für Monsanto als Rechtsanwalt gearbeitet haben und danach in der Regierung – und nachdem sie in der Regierung erreicht hatten, was sie wollten, gingen sie wieder in die Industrie. Das ist in beiden Ländern schon geschehen. Ein Beispiel: Die letzte Landwirtschaftsministerin der USA, Ann M. Veneman, war auch Rechtsanwältin bei einer Firma der Monsanto-Gruppe. Ich lasse Sie Ihre eigenen Schlüsse ziehen. Es gibt eine Drehtür zwischen Industrie und Regierung – und nicht nur das, es fließen auch gewaltige finanzielle Beträge an unsere Regierungen, um die gesetzlichen Grundlagen für die Einführung von gentechnisch veränderten Organismen zu erreichen. Und das muss aufhören! Im Zuge meines Gerichtsverfahrens gegen Monsanto stellte sich heraus, dass die Regierung mit Monsanto zusammengearbeitet hatte bei der Entwicklung neuer gentechnisch veränderter Organismen und dass der kanadische Staat Abgaben bekommt für verkaufte gentechnisch veränderte Organismen. Sie können sich also die Empörung vorstellen, als das an die Öffentlichkeit kam. Was geschieht hier in Deutschland? Was geschieht in anderen Ländern? Ich bin sicher, da könnten ähnliche Vorgänge am Laufen sein wie in Nordamerika, wo wir diese Kuschelbeziehung zwischen Staat und Industrie haben.

Das andere wichtige Thema, das uns Sorgen macht, sind die riesigen Summen, die diese Firmen in die Forschungsinstitute und in die Universitäten fließen lassen. Die sind nicht mehr unabhängig – viele Forschungsprogramme werden von Industrieunternehmen finanziert und die Forschung geht nur in die Richtung, die die Unternehmen wollen. Wenn die Forschungen etwas Negatives ergeben, darf das nicht veröffentlicht werden, nur das Positive. Diese Forschungsgelder gehören wieder in öffentliche Hand, damit die Forschung unabhängig ist.

Welchen Ratschlag würden Sie den Verbrauchern mit auf den Weg geben?

Dass sie sehr achtsam sein sollten, was sie essen und was sie ihren Kindern zu essen geben. Dass sie versuchen sollten, herauszufinden, was in ihren Nahrungsmitteln enthalten ist. In Nordamerika haben wir da ein großes Thema, denn es gibt jetzt gentechnisch veränderte Pflanzen, die verschreibungspflichtige Arzneimittel produzieren. Und es gibt keine Kennzeichnungspflicht in Nordamerika. Es ist schlimm genug, dass gentechnisch veränderte Bestandteile in den Nahrungsmitteln sind, aber jetzt kann es uns auch noch passieren, dass Medikamente drin sind. Es gibt derzeit sechs wichtige Arzneimittel, die von Pflanzen produziert werden, und das geschieht in der freien Natur. Um einige zu nennen: Empfängnisverhütungsmittel, Wachstumshormone, Blutgerinnungsmittel. Wir haben keine Kennzeichungspflicht, und das ist eine drastische Menschenrechtsverletzung, wenn man nicht weiß, was man da isst, eine Verletzung der Verbraucherrechte. Ich nenne Beispiele: Als ich neulich in Kalifornien war, sprach ich mit Ärzten, die sehr beunruhigt waren, denn was passiert zum Beispiel, wenn eine schwangere Frau unwissentlich Empfängisverhütungsmittel mit der Nahrung zu sich nimmt? Oder wenn jemand eine Operation hat und Essen mit einem Blutgerinnungsmittel drin bekommt? Das sind jetzt große Themen für uns – es sind nicht nur die gentechnisch veränderten Pflanzen, es sind auch die Bakterien und Viren und verschreibungspflichtigen Medikamente in der Nahrung.

Mein Rat ist, sehr achtsam und vorsichtig zu sein und sich von gentechnisch manipulierten Substanzen fernzuhalten. Es gibt viele andere, gute Lebensmittel auf dem Markt. 91 Prozent der kanadischen Bevölkerung sagten bei einer Befragung, dass sie, wenn sie wüssten, welche Bestandteile in einem Nahrungsmittel enthalten sind, keine gentechnisch veränderten Substanzen zu sich nehmen würden; das wäre das Ende dieses Industriezweigs. Wir brauchen die Kennzeichnung. Die Leute müssen das wissen. Diese Freiheit darf nie versagt werden.

Interview mit Percy Schmeiser am 16.5.2008 in Dresden

* Percy Schmeiser

Seit mehr als 50 Jahren Landwirt und Saatgutzüchter in Bruno, Saskatchewan, Kanada. Sah sein Lebenswerk in der erfolgreichen Züchtung von Raps, der optimal an die örtlichen Standortbedingungen angepasst war. 13 Jahre lang war er außerdem Bürgermeister seiner Heimatstadt, 5 Jahre auch Abgeordneter im Parlament der Provinz.

Weltweite Berühmtheit erlangte er durch seinen Widerstand gegen die Gentechnikfirma Monsanto: 1997 fand sich auf einem seiner Felder gentechnisch veränderter Raps, der durch Pollenflug dort hingelangt war; dies nahm Monsanto zum Anlass, ihn zu verklagen, weil er ohne Lizenz Monsanto-Raps angebaut habe. Der Konzern forderte Lizenzgebühren. Schmeiser wollte jedoch die Verunreinigung seiner Felder nicht hinnehmen. Nach 10 Jahren nervenaufreibenden Rechtsstreits wurde schließlich entschieden, dass Schmeiser Monsantos Geldforderungen nicht nachkommen muss. Ein zweiter Rechtsstreit, den Schmeiser gegen Monsanto führte, endete mit einem Schuldeingeständnis Monsantos, dass der Konzern für die Kontamination einiger Felder Schmeisers verantwortlich sei.

2007 wurden er und seine Frau Louise mit dem Right Livelihood Award, dem Alternativen Nobelpreis, ausgezeichnet.

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Written by genfood

18.Juni.2008 at 8:10